Bogotá bekommt eine offen lesbische Bürgermeisterin

Claudia López will die Ungleichheit in der kolumbianischen Hauptstadt bekämpfen

Claudia Lopez
Aleanza Verde

In Bogotá, der Hauptstadt von Kolumbien, regiert künftig eine offen lesbische Bürgermeisterin: Die Mitte-Links-Politikerin Claudia López setzte sich am Sonntag mit rund 35 Prozent der Stimmen gegen den liberalen Politiker Carlos Fernando Galán durch, der auf rund 32 Prozent kam.

Ihre sexuelle Orientierung verheimlichte die 49-Jährige nie – so etwas hat es in Lateinamerika noch nicht gegeben. So schickt sie ihrer Partnerin, Senatorin Angélica Lozano, regelmäßig öffentliche Liebesbotschaften.

Eine starke und unbestechliche Frau, die das männliche Establisment verunsichert

Auch sonst irritiert sie das männlich dominierte Establishment. Sie spricht laut und ist direkt. Ex-Präsident Alvaro Urbe, noch immer einflussreicher Senator, nannte sie im Kongress einen “Blutsauger”. Politikerkollegen, die sie mit Gerichtsverfahren zum Schweigen bringen wollten, scheiterten.

Ihre Ziele für Bogotá sind ein besseres, kostenloses Bildungssystem. Eine überirdische Metro, die nach über 60 Jahren Debatte ab dem nächsten Jahr gebaut werden soll, soll gegen ewige Staus und schmutzige Luft helfen.

Womit sie bei den konservativen Eliten besonders aneckt ist ihr Kampf gegen Gewalt, Korruption und Ungleichheit. Als Kämpferin gegen Korruption hat sie sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht. “Wir haben nicht nur gewonnen, sondern wir verändern auch die Geschichte”, schrieb sie auf Twitter.

Als Journalistin brachten ihre Recherchen viele Politiker ins Gefängnis

Claudia López stammt aus keiner der angestammten Politiker-Dynastien Kolumbiens, sondern wuchs als älteste von sechs Geschwistern in einfachen Verhältnissen in Bogotá auf. Ihre Eltern arbeiteten hart, auch sie musste sich durchkämpfen. Studieren konnte sie nur mit Hilfe von Stipendien und Krediten, promoviert hat die Politikwissenschaftlerin schließlich in den Vereinigten Staaten.

López erlangte als Journalistin einige Bekanntheit in Kolumbien: Viele Politiker, die mit Paramilitärs unter einer Decke steckten, kamen wegen ihrer Recherchen ins Gefängnis. Im Jahr 2013 musste López deshalb aus Sicherheitsgründen zeitweise das Land verlassen. Sie lebt bis heute mit Personenschutz.

Turbo-Karriere in der Politik

In die Politik war die 49-Jährige erst vor fünf Jahren gegangen – seitdem legt sie in atemberaubenden Tempo eine Karriere hin: Sie wurde Senatorin für die Mitte-links-Partei Alianza Verde. Zusammen mit ihrer Partnerin initiierte sie letztes Jahr ein Referendum für schärfere Anti-Korruptions-Regeln. Mit 11 Millionen Stimmen verfehlte dieses zwar knapp das Quorum, bewirkte aber eine breite gesellschaftliche Debatte.

Das Amt der Bürgermeisterin von Bogotá gilt als der zweitwichtigste Posten Boliviens – und als Sprungbrett für eine Präsidentschaft. Claudia Lopéz hat schon angekündigt, dass das höchste Amt im Staat ihr Ziel ist.