Nach Brand in Sauna: Zwei Freisprüche, zwei Verurteilungen

Bei dem Feuer in der ehemaligen Apollo-Sauna starben drei Menschen

Rosen und Regenbogenfähnchen
Facebook/Steam Works

Im Februar 2017 sterben bei einem Brand in der Berliner Steamworks-Sauna drei Menschen, einer wird schwer verletzt. Bei den Ermittlungen werden schwere Versäumnisse der Betreiber entdeckt: Umbauarbeiten wurden den Behörden nicht gemeldet, Notausgänge waren verstellt, die Entrauchnungsanlage nicht funktioniert. Nun ist das Unglück zumindest juristisch aufgearbeitet.

Vier Männer, die für den Brand verantwortlich waren, standen vor Gericht

Vor Gericht standen Geschäftsführer Marcel M., Betriebsleiter Timo Z., der ehemalige Geschäftsführer Fabian W. sowie Tareq Al-T., der einen Zigarettenstummel in einem Plastik-Mistkübel entsorgt und so das Unglück ausgelöst hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte für alle vier Angeklagten Haftstrafen beantragt, gegen den Gast, der das Unglück mit seinem Zigarettenstummel ausgelöst hat, wegen seiner Vorstrafen sogar anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung. Fabian W. und Marcel M. warf sie vor, bei der Übernahme vom Voreigentümer nicht dafür gesorgt zu haben, dass die Sauna in einen den Brandschutzvorschriften entsprechenden Zustand gebracht wurde.

Timo Z., der den Betrieb ab 2015 leitete, soll keine ausreichende „Gewähr für die Sicherheit der Gäste“ übernommen haben: So habe er der Anklage zufolge die Entrauchungsanlage nicht auf ihre ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit überprüfen lassen. Außerdem habe er es versäumt, die Rettungswege freizuhalten.

Einer der Geschäftsführer entschuldigte seine Untätigkeit mit Drogenproblemen

Während des Prozesses hatte nur Marcel M. eine umfassende Aussage gemacht – und dabei jede Schuld von sich gewiesen. Es habe zwischen ihm und Fabian W. eine strikte Aufgabenteilung gegeben, er selbst sei nur für das Kaufmännische zuständig gewesen. Bau- und Sicherheitsauflagen seien in den Bereich von W. gefallen. „Ich war der festen Überzeugung, dass da alles in Ordnung war. Ich habe mich mit technischen Sachen nicht beschäftigt“, betonte M. vor Gericht.

Später habe er aufgrund von Depressionen, Angstzuständen und massiven Drogenproblemen immer mehr die Kontrolle über seine Aufgaben verloren. Diese habe schließlich immer mehr Betriebsleiter Timo Z. übernommen. „Solange ich dort war, war kein Notausgang verstellt. Ab 2016 war es mir nicht mehr möglich, das zu überprüfen“, beteuerte Marcel M. vor Gericht. Timo Z. ließ über seine Anwälte sein Bedauern über das Geschehen ausdrücken und seine Unschuld beteuern.

Bewährungsstrafen und Zahlungen an Opferhilfe-Vereinigungen

Das Gericht ließ sich von den Aussagen nicht beeindrucken. So wurde Geschäftsführer Marcel M. zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, Betriebsleiter Timo Z. zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Außerdem müssen beide jeweils 3000 Euro an die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) beziehungsweise an die Opferhilfe Weißer Ring zahlen.

Der zweite Geschäftsführer Fabian W. und Tareq Al-T. wurden freigesprochen. Der Raucher allerdings im Zweifel, weil ein Gutachter im Prozess ausgesagt hatte, ein anderer Verursacher für den Brand sei „nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich“. Die Staatsanwaltschaft hat gegen diesen Freispruch Berufung eingelegt.