Weil ihre Eltern zwei Männer sind: Kinder dürfen nicht in Spielgruppe

Die beiden Väter seien "weder normal noch natürlich", so die Leiterin

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Im Schweizer Kanton Aargau darf ein Zwillingspärchen nicht in einer Spielgruppe mitmachen, weil ihre Eltern zwei Männer sind. Weder in der Politik noch bei Pädagogen und Community-Vertreten hat man für die Entscheidung der Gruppenleiterin Verständnis.

Die beiden Väter wollten ihre Zwillinge in eine anerkannte Spielgruppe geben – doch daraus wird jetzt nicht

Rafael und Raul sind Zwillinge, dreieinhalb Jahre alt, und leben mit ihren beiden Vätern Roshan und Michael im beschaulichen Lenzburg. Da beide Männer auswärts arbeiten, kümmert sich untertags ein Kindermädchen um die Buben.

Nach dem Willen der Väter sollten die Kinder nun halbtags in eine Spielgruppe gehen. Ausgesucht hatten sie eine, die auch von der Stadt offiziell empfohlen wurde. Doch daraus wird nun nichts: Den Kindern wurde die Aufnahme in die Spielgruppe verweigert.

Ein schwules Elternpaar sei „weder normal noch natürlich“, meinte die Gruppenleiterin

Denn ihre Eltern sind “ein homosexuelles Paar, was die betreffende Spielgruppenleiterin den Eltern gegenüber mit den Worten kommentierte, dass eine solche Konstellation weder normal noch natürlich sei”, wie der Lenzburger Bezirks-Anzeiger berichtet. Die Leiterin der Gruppe, eine Frau Ende Fünfzig, habe der Zeitung diese Aussage auch bestätigt.

Andreas Schmidt, der zuständige Stadtrat in Lenzburg, ist empört: “Ich persönlich habe für die Haltung dieser Spielgruppenleiterin kein Verständnis. Im Zentrum steht das Wohl des Kindes. Die Lebensform der Eltern sollte bei der Aufnahme in eine Spielgruppe keine Rolle spielen”, erklärt er der Aargauer Zeitung.

Auch beim Dachverband der Spielgruppen ist man über diese Entscheidung entsetzt

Auch Regula Aeschbach, Leiterin der Regionalgruppe Aargau des Spielgruppen-Dachverbands, schüttelt den Kopf. Sie macht klar: “Diskriminierendes Verhalten ist in Spielgruppen nicht erwünscht!” Man arbeite schon länger daran, verbindliche Rahmenbedingungen für Spielgruppen zu schaffen, wie es sie in anderen Kantonen schon gebe.

Doch jetzt können sich die Väter gegen die Ablehnung nicht wehren. Denn derzeit ist eine solche Diskriminierung in der Schweiz legal, erklärt Pink Cross, der größte Schwulenverband des Landes. Das sollte sich künftig ändern: Mit dem Schutz vor Hass und Diskriminierung, über den das Schweizer Stimmvolk am 9. Februar 2020 abgestimmt wird, würde sich dies ändern.

Diese Art der Diskriminierung ist in der Schweiz derzeit legal

“Es ist skandalös, dass das Kindeswohl eines homosexuellen Paars nicht gewährleistet ist! Umso stossender ist, dass es in der Schweiz noch keine Möglichkeiten gibt, sich rechtlich gegen solche Diskriminierungen zu wehren”, sagt Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross.

Nach den schlechten Erfahrungen sollen die beiden Väter sich nun überlegen, ob sie ihre Söhne überhaupt in eine Spielgruppe geben wollen – oder einfach warten sollen, bis die Zwillinge in den Kindergarten kommen.