Deckte Papst Benedikt XVI. einen Prälaten, der Priester sexuell missbrauchte?

"Ich sollte mich mit Schuhen auf seinen Penis stellen, bis er kam"

Papst Benedikt XVI.
Fabio Pozzebom/Agência Brasil - CC BY 3.0

Jahrelang soll ein deutscher Prälat, der im Staatssekretariat von Papst Benedikt XVI., Priester sexuell belästigt haben. Dabei soll er von mittlerweile emeritierten Papst und dessen Privatsekretär Georg Gänswein gedeckt worden sein, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf vertrauliche Dokumente.

Der Prälat soll einen Priester zu Zungenküssen genötigt und dessen Penis gequetscht haben

So beschreibt ein Priester, dass ihn der Prälat mehrmals zu Zungenküsse genötigt habe. Dabei soll dieser mit einer Hand die Geschlechtsteile des Opfers gequetscht haben, mit der anderen den Hals so stark gewürgt haben, dass sich der Geistliche nicht wehren konnte. In einem anderen Fall soll der beschuldigte Prälat seinen Penis auf den Schreibtisch gelegt haben, bevor er den Priester aufforderte, sein Geschlechtsteil mit seinem Schuh zu malträtieren.

“Es ist schlimm, dass ich die Bilder eines geil keuchenden Prälaten, der mir in den Schritt fasst und den Moment nutzt, mir seine Zunge in den Mund zu drücken, nicht aus meinem Kopf vertreiben kann”, schilderte das mutmaßliche Opfer vor wenigen Wochen einem Bischof im Staatssekretariat von Papst Franziskus die Folgen der mutmaßlichen Übergriffe. 

Einem anderen Priester soll der Prälat angeboten haben, ihn zu schützen – wenn sie Sex haben

Auch ein weiterer Priester aus dem Staatssekretariat beschuldigt den Prälaten mittlerweile in einer eidesstattlichen Erklärung sexueller Übergriffe. “Er wollte mein Schutzpatron sein und mich vor anderen Priestern im Vatikan schützen. Er gab sich als reich und mächtig aus.“ Als Gegenleistung für seinen Schutz habe der Prälat ihn zu Sex gezwungen.

„Unter anderem leckte er an meinem neuen Schuh der Marke Cavalli mit der Zunge, um sich sexuell zu erregen. Ich sollte mich mit Schuhen auf seinen Penis stellen, bis er einen Samenerguss hatte. Für mich war das eine widerliche Quälerei“, erklärte der Priester, der im Vatikan als Latein-Übersetzer tätig ist, der Zeitung.

Die Anwältin des Prälaten, der seine Ämter inzwischen ruhen lässt, bestreitet sämtliche Vorwürfe. Für den Prälaten gilt die Unschuldsvermutung. 

Im Büro von Papst Benedikt sollen die Vorwürfe damals versickert sein

Obwohl über die Übergriffs-Vorwürfe spätestens im März 2012 schriftliche Hinweise bei Papst-Sekretär Gänswein eingingen, sollen die Vorwürfe nicht weiter verfolgt worden sein. Der Privatsekretär von Benedikt empfahl dem betroffenen Priester: “Nicht ärgern, ein bisschen wundern (…) Ich hoffe, dass dem Spiel nicht mehr allzu lange zugesehen wird.” Auch nach weiteren Meldungen schritt der Vatikan nicht gegen den Prälaten ein.

Stattdessen wurde der Prälat zunächst ins Ausland versetzt, dann in sein Heimatbistum. Dort wurde der Bischof von einem Kardinal im Dezember 2012 von den Gelüsten des Prälaten informiert. Das bestätigt der Bischof der Zeitung mit der Feststellung, der Prälat sei „stockschwul“ und „belästige andere“.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft: Nach Informationen der Bild-Zeitung soll ein mutmaßliches Opfer in einer vierstündigen Vernehmung die sexuellen Übergriffe geschildert haben. Der Rechtsanwalt des Priesters soll der Staatsanwaltschaft eine neunseitige Sachverhaltsdarstellung übergeben haben.

„Es geht nicht nur um Sexualstraftaten eines einzelnen römischen Kirchenfunktionärs, sondern auch um gezielte Einschüchterung, Amtsmissbrauch und systematische Strafvereitelung durch die oberste Führungsriege der Kirche, deren Verpflichtung die weltweite Bekämpfung übergriffiger Priester wäre“, erklärt Alexander Stevens, der Anwalt des mutmaßlichen Opfers, gegenüber der Zeitung.