FDP will Blutspende für Homo- und Transsexuelle erleichtern

Die 12-Monats-Frist nach dem letzten Sex soll fallen, wenn es nach der Partei geht

Blutkonserve
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Sexuell aktive Schwule und Transsexuelle müssen in Deutschland derzeit lange warten, bis sie Blut spenden dürfen: So müssen seit dem letzten Sexualkontakt zwölf Monate vergangen sein. Das will die FDP nun ändern.

FDP will die generellen Beschränkungen für ganze Bevölkerungsgruppen aufheben

Wie der Spiegel berichtet, hat die FDP-Fraktion im Bundestag einen Antrag eingebracht, der die Beschränkungen beim Blutspenden für schwule und transsexuelle Menschen aufgehoben werden. Die Begründung: Ein pauschaler Ausschluss stelle eine „unhaltbare Diskriminierung ohne medizinische Notwendigkeit dar“ und verschärfe den Mangel an lebenswichtigen Blutkonserven.

Konkret geht es um die „Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten“, die von der Bundesärztekammer und dem Paul-Ehrlich-Institut erstellt wird. Darin ist festgelegt, unter welchen Bedingungen Blut gespendet werden darf.

Dieser Richtlinie zufolge gelten alle homo- und transsexuellen Menschen als „Personen mit sexuellen Risikoverhalten“ – unabhängig von ihrem tatsächlichen Verhalten, genauso wie Prostituierte oder Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern. Die Begründung: Diese Gruppen hätten eine höhere Wahrscheinlichkeit, mit HIV oder Hepatitis C infiziert zu sein. 

Für die FDP ist die Zwölf-Monats-Wartefrist unrealistisch

Sie dürfen seit 2017 erst zwölf Monate nach dem letzten Sexualkontakt Blut spenden – zuvor war es ihnen grundsätzlich untersagt, wie auch in Österreich: Hier darf nach wie vor kein Mann Blut spenden, der einmal in seinem Leben gleichgeschlechtlichen Sex hatte.

Doch auch die Zwölf-Monats-Frist ist für die FDP unrealistisch.  „Die Anpassung in der Richtlinie zu einer Wartezeit von zwölf Monaten seit dem letzten Geschlechtsverkehr bis zur Blutspende ist eine lebensfremde Annahme“, so der Antrag, der von den FDP-Abgeordneten Jens Brandenburg und Katja Suding eingebracht wird.

„Wir dürfen es uns nicht leisten, spendenbereite Menschen pauschal wegen ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität von der Blutspende auszuschließen“, erklärt Suding, die auch stellvertrende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion ist, dem Spiegel.

Es geht um das tatsächliche Risiko, nicht um die Stigmatisierung ganzer Gruppen

Entscheidend für ein Infektionsrisiko ist der FDP zufolge „nicht die sexuelle oder geschlechtliche Identität eines Menschen, sondern das tatsächliche Risikoverhalten, zum Beispiel durch ungeschützten Sexualverkehr mit häufig wechselnden Partner/innen“, wie es in dem Antrag heißt.

Alle homosexuellen und transgeschlechtlichen Personen als Risikogruppe einzuschätzen, wie es in der Richtlinie geschieht, sei eine ungerechtfertigte Pauschalisierung und diskriminierend. „Den Personengruppen als Ganzes wird ein unreflektiertes und risikoreiches Sexualverhalten unterstellt“, schreiben die FDP-Abgeordneten.

Die Richtlinien für eine Blutspende an die Realität anzupassen, ohne dabei die Sicherheit der Spende zu gefährden, könnte dabei auch helfen, die Versorgung mit Blutkonserven sicherzustellen:  Denn jeden Tag werden in Deutschland etwa 14.000 Blutspenden benötigt.

Immer mehr Blutkonserven werden benötigt, immer weniger Menschen spenden

Dabei sinkt die Zahl der Spender, die Zahl der benötigen Spenden wächst aber stetig. „Blutkonserven in den Krankenhäusern sind knapp, Menschenleben stehen auf dem Spiel“, warnt Suding im Spiegel.

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts steckten sich zwischen 1997 und 2011 gerade einmal sechs Menschen über eine Blutkonserve mit HIV an, seit 1999 nur ein einziger mit Hepatitis C.  Im Jahr 2015 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) generelle Blutspendeverbote als unzulässig erklärt, solange der Gesundheitsschutz der Empfänger gewährleistet sei.