Droht Engpass bei Transgender-Ambulanz im Wiener AKH?

Ärztekammer warnt: Immer mehr Patienten, immer kürzere Öffnungszeiten

Allgemeines Krankenhaus (AKH) Wien
Thomas Ledl/Wikimedia - CC BY-SA 4.0

Vor einem Versorgungsengpass bei der Transgender-Ambulanz des AKH Wien warnt die zuständige Ärztekammer. Grund dafür: Obwohl immer mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden, muss die Abteilung ihre Ambulanzzeiten nach den Vorgaben der Krankenhausbetreiber massiv reduzieren.

Stadt Wien und Medizin-Uni wollen ein Drittel weniger Patienten in der Transgender-Ambulanz

Davor hat Christian Egarter, Leiter der zuständigen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, in einem Interview mit dem Fachmagazin medinlive gewarnt. Der Grund dafür: Die zuständigen Träger des AKH, Stadt und Medizin-Uni, haben der Ambulanz vorgeschrieben, die Zahl der Patienten in der Ambulanz in Summe um etwa ein Drittel zu reduzieren.

Dabei ist die Nachfrage sogar gestiegen: „In unserer Ambulanz haben wir in den letzten Jahren einen massiven Frequenzanstieg beobachtet, vermutlich durch die zunehmende gesellschaftliche Liberalisierung dieses Themas und den erleichterten Zugang zu entsprechenden Spezialambulanzen“, so Egarter.

Doch die Kapazitäten für die Ambulanz sollen nicht erhöht werden – im Gegenteil: Es gebe sogar Überlegungen, die für die Transgender-Ambulanz zuständige Abteilung einer anderen Abteilung anzugliedern. „Es ist absolut inakzeptabel, wenn die Politik unser Gesundheitssystem an die Wand fährt und gleichzeitig einen Teil unserer Gesellschaft damit marginalisiert“, ärgert sich Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien.

Im letzten Jahr hatte die Ambulanz 1300 Patientinnen und Patienten – und es werden immer mehr

Die Transgender-Ambulanz in Wien ist die größte ihrer Art in ganz Österreich. Letztes Jahr wurden hier mehr als 700 Mann-zu-Frau- und 600 Frau-zu-Mann-Personen mit gegengeschlechtlicher Therapie kontrolliert. Und die Ambulanz ist international anerkannt: „Wir sind eines von 14 Zentren in ganz Europa, die als Ausbildungszentrum zertifiziert sind“, so Egarter. Durch die geplanten Änderungen würde jede Menge Erfahrung in Bezug auf die Lehre der zukünftigen Mediziner verloren gehen, fürchtet der Experte.

Bereits jetzt werden die Wartezeiten in der Transgender-Ambulanz immer länger. „Auf einen Termin in der Hormonambulanz müssen Patienten derzeit ungefähr fünf Monate warten“, erklärt Egarter. Die nächste größere Ambulanz ist in München – also fünf Stunden Fahrzeit entfernt im Ausland. „Wohin sollen die betroffenen Menschen gehen?“, ist der Experte verzweifelt. Und Ärztekammer-Vertreter Weismüller fragt provokativ: „Besteht hier gar der politische Wille, Personen dieses Teils unserer Gesellschaft aus Wien und Österreich zu vertreiben?“