Samstag, 13. April 2024
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Malaysia: Stockhiebe für Männer, die sich für schwulen Sex trafen

Die Religionsbehörden hörten die Männer ab, um sie verhaften zu können

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In Malaysia sind vier Männer unter anderem zu jeweils sechs Stockschlägen verurteilt worden, weil sie versucht hatten, gleichgeschlechtlichen Sex zu haben. Das teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit.

Zusätzlich zur Prügelstrafe warten auf die Männer Geld- und Haftstrafen

Die Männer im Alter zwischen 26 und 37 Jahren waren vor zwei Wochen nach islamischem Recht, der Scharia, verurteilt worden. Zusätzlich zur Prügelstrafe erhielten die Männer Geld- und Freiheitsstrafen bis zu sieben Monaten.

Die Männer standen vor Gericht, weil sie „Verkehr entgegen der natürlichen Ordnung“ versucht haben sollen. Um dies nachzuweisen, haben die Religionsbehörden die Kommunikation der Männer überwacht. Verhaftet wurden die Beschuldigten schließlich letztes Jahr bei einer Razzia in einer Privatwohnung.

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Zur Zeit stehen sechs weitere Männer wegen des gleichen „Vergehens“ vor Gericht

Die Prügelstrafe wurde am Montag in einem Gefängnis nahe der Hauptstadt Kuala Lumpur vollstreckt. Nach Informationen von Amnesty International wurden sie nach den Schlägen vorübergehend aus der Haft entlassen, bis die Berufung über ihre Haftstrafen verhandelt wird.

Ein fünfter Angeklagter, der gegen das gesamte Urteil berufen hat, wurde freigelassen, ohne die Prügel erhalten zu haben. Auch er wurde zu Stockschlägen und einer Haftstrafe verurteilt. Sechs weitere Männer, die bei der Razzia festgenommen wurden, standen am Dienstag vor Gericht.

Amnesty International kritisiert Malaysia wegen der Prügelstrafe für LGBT-Personen scharf

Shamini Darshni Kaliemuthu von Amnesty International kritisierte in einer Stellungnahme die „bösartigen Bestrafungen“, denen sexuelle Minderheiten in Malaysia ausgesetzt seien. Diese seien „das eigentliche Verbrechen, das hier begangen wurde“. Außerdem forderte sie die Regierung auf, ein Klima zu schaffen, in dem die LGBT-Community frei von Diskriminierung leben kann.

In den letzten Jahren hat sich in Malaysia das Klima für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transpersonen erheblich verschlechtert. Zwar war gleichgeschlechtlicher Sex sowohl nach dem Strafrecht als auch nach der Scharia verboten – Prügelstrafen waren aber bis vor kurzem eher die Ausnahme.

Das hat sich nun geändert: So wurden letztes Jahr zwei lesbische Frauen öffentlich ausgepeitscht. Sie wurden beim Versuch erwischt, in einem Auto Sex zu haben. Schwulenbars werden immer wieder zum Ziel von Polizeiaktionen. Und letzten August wurde eine Trans-Frau von einem wütenden Mob krankenhausreif geprügelt. Auch die Razzia, die dem aktuellen Urteil voranging und das Urteil selbst, sprechen eine deutliche Sprache.

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