Nach Studie: Politik reagiert auf Homophobie unter muslimischen Migranten

Ein breiter Dialog und Aufklärung ab dem ersten Tag seien nötig, so die Vertreter

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Aufsehen erregte eine Studie des Österreichischen Integrations-Fonds (ÖIF) über die Werteeinstellungen von jungen Muslimen mit Migrationshintergrund. Denn ein großer Teil von ihnen hat ein Problem mit Homosexualität – jetzt reagieren die Politik und die Community.

HOSI Wien betont: Islamische Glaubensgemeinschaft ist nicht homophob

„Beim Schutz vor Verhetzung und Diskriminierung dürfen auch Religionsgemeinschaften nicht über dem Recht stehen“, so Moritz Yvon, Obmann der HOSI Wien. Er betont aber auch, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) etwa das Massaker von Orlando klar verurteilt habe und nicht die IGGÖ die Forderungen der Community gebremst habe, sondern die römisch-katholische Kirche.

Die nicht repräsentative Studie kam zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte der jungen Afghanen und Syrer sowie vier von zehn Jugendlichen mit tschetschenischen oder türkischen Wurzeln Homosexualität ablehnen. Auch für ein Drittel der jungen Menschen mit kurdischen oder bosnischen Wurzeln ist Homosexualität nie okay.

SoHo für „breiten Dialog“

„Wir sehen, dass die befragten afghanischen und syrischen Jugendlichen, die einen höheren Teil an Ablehnung von Homosexuellen aufweisen, erst kurz in Wien sind – rund 70 Prozent weniger als fünf Jahre. Hier gilt es anzusetzen, denn wir wissen, dass es einen breiten Dialog braucht“, erklärt Bakri Hallak, Wiener Vorsitzender der sozialdemokratischen LGBT-Gruppe SoHo.

„Gerade Menschen, die aus anderen Gesellschaften und Ländern kommen, in denen Sexualität stark tabuisiert wird, die Existenz von Homosexualität geleugnet bzw. gar mit der Todesstrafe bestraft wird, haben Vorurteile und wenig Wissen darüber. Hier braucht es einen offenen Umgang, viel Aufklärungsarbeit und Geduld“, so Hallak weiter.

Ergebnisse der Studie dürfen nicht zu Rassismus führen, betont der Wiener SoHo-Chef

Er betont, wie wichtig Role Models sind und fordert dementsprechende niederschwellige Angebote und Sexualpädagogik-Workshops. „Keinesfalls darf die ablehnende Haltung gegenüber Homosexuellen zu einer rassistischen Reaktion führen. Vielmehr müssen wir uns der Herausforderungen bewusst sein“, so Bakri Hallak.

Caroline Hungerländer, Integrationssprecherin der Wiener Volkspartei, sieht in der Studie ein klares Versagen der Wiener Stadtregierung. Die hohe Ablehnung von Homosexualität, verbreiteter Antisemitismus und Ablehnung der Gleichstellung von Mann und Frau unter den Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund sei erschreckend und dürfe in Wien keinen Platz haben.

Neos und ÖVP fordern verpflichtende Werte- und Orientierungskurse

Sie fordert eine verpflichtende Ausweitung der Werte- und Orientierungskurse – genauso wie der Wiener NEOS-Abgeordnete Thomas Weber. Diese müssten alle Generationen abholen, das Zusammenspiel zwischen dem Bund und der Stadt Wien in diesem Punkt müsse funktionieren, so Weber: „Der aktuelle Stillstand in der österreichischen Integrationspolitik und das gegenseitige Hick-Hack am Rücken der Migrantinnen und Migranten muss beendet werden!“

Dem widerspricht erwartungsgemäß die FPÖ: „Bevor wir Unsummen an Geld verschwenden, um diesen Menschen unsere Werte näherzubringen, was ohnedies selten gelingt, sollte in diesen Gruppen, die ja fast ausschließlich über Asylverfahren in Österreich gelandet sind, schnellstens die weitere Berechtigung zum Aufenthalt überprüft werden“, fordert der freiheitliche Klubchef Herbert Kickl.

Für die NEOS offenbart die Studie Defizite bei der Integration von Jugendlichen

Durchaus kritisch sieht auch NEOS-Gemeinderat Thomas Weber die Ergebnisse der Studie – er kommt aber zu anderen Schlüssen. Die Studie „offenbart klare Defizite bei der Integration von Jugendlichen, auf die rasch reagiert werden muss. Andererseits bestätigt es die von uns geteilte Annahme, dass mit zunehmender Aufenthaltsdauer antidemokratische und abwertende Grundhaltungen sinken. Das zeigt den klaren Handlungsbedarf von verpflichtenden Integrationsmaßnahmen ab Tag 1. Kein Jugendlicher darf hier zurückgelassen werden!“

Besonders problematisch betrachtet Weber als LGBTI-Sprecher seiner Partei die Ergebnisse der Befragung hinsichtlich der immer noch verbreiteten Ablehnung von Homosexualität. Diese verdeutliche „den klaren Handlungsbedarf der Politik“. Dabei müsse die Integrationspolitik nicht nur bei Jugendlichen, sondern den Familien als Ganzes – insbesondere den Müttern – ansetzen.