Hat dieser Mann das Homo-Denkmal sieben Mal beschädigt?

Ein aufmerksamer Zeuge hat einen Verdächtigen fotografiert

Verdächtiger
Polizei Berlin

Bereits wenige Tage nach der offiziellen Einweihung vor elf Jahren wurde das Berliner Denkmal für im Nationalsozialismus verfolgte Homosexuelle zum ersten Mal beschädigt. Es folgten zahlreiche weitere Vandalenakte, die Täter konnten nie gefasst werden. Nun gibt es zum ersten Mal Bilder eines Tatverdächtigen.

Ein aufmerksamer Zeuge hat den Mann fotografiert

Doch diese kommen nicht von der Videoüberwachung, die Anfang November von der verantwortlichen Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas installiert wurde. Ein aufmerksamer Zeuge hat am 7. Juli einen verdächtigen Mann beobachtet und fotografiert. Diese Bilder hat die Berliner Polizei nun veröffentlicht.

„Aufgrund der gleichen Vorgehensweise“ wird der Mann nach Meinung der Polizei übrigens nicht nur verdächtigt, das Denkmal Anfang Juli beschädigt zu haben – sondern zwischen 9. Juni und 8. September gleich sieben Mal die Sichtscheibe mit schwarzer Farbe besprüht zu haben – unter anderem am 30. Juni, am 4. sowie am 18. August.

Nun sucht die Polizei nach Zeugen

Wie bei allen mutmaßlichen Hassverbrechen hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungen übernommen. Dieser sucht nun Zeugen: Wer Angaben zu dem Mann machen kann oder weiß, wo sich der Unbekannte aufhalten könnte, soll sich bei der Polizei melden.

Gesucht werden auch Zeugen, die zwischen dem 9. Juni und dem 8. September verdächtige Beobachtungen in Zusammenhang mit dem Denkmal gemacht haben oder sonstige sachdienliche Hinweise geben können.

Hinweise können telefonisch unter der Rufnummer +49/(0)30/4664-953128, per Fax unter der Nummer +49/(0)30/4664-953199, per E-Mail an lka531@polizei.berlin.de, über die Internetwache der Berliner Polizei oder an jede andere Polizeidienststelle übermittelt werden.

Auf Initiative des Bundestages wurde das Denkmal im Jahr 2008 seiner Bestimmung übergeben

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wurde auf Beschluss des Deutschen Bundestages gebaut und am 27. Mai 2008 der Öffentlichkeit übergeben. Es wurde vom dänisch-norwegischen Künstler-Duo Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen und greift dabei die Formensprache des Holocaust-Denkmals auf.

Sie wird dabei um ein zusätzliches Element ergänzt: In einer Fensteröffnung ist in Dauerschleife ein Video mit einem gleichgeschlechtlichen Kuss zu sehen. Zu Beginn war es ein Männerkuss, der 2010 von zwei küssenden Frauen abgelöst wurde.

Seit Mitte Oktober gibt es für das Denkmal eine Videoüberwachung

Dabei wurde es regelmäßig zur Zielscheibe von Vandalen. Die Mitglieder des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Berlin-Brandenburg stimmten deshalb bei einer Mitgliederbefragung mit 76,2 Prozent für eine Überwachung, 23,8 Prozent waren dagegen.

Diese wurde Mitte Oktober installiert – und begann gleich mit einem Flop: Wenige Wochen danach wurde die Scheibe, durch die ein Video mit einem homosexuellen Kuss gesehen werden kann, mit einem Schriftzug beschmiert. Allerdings gab es von diesem Vorfall keine Bilder, weil ausgerechnet an diesem Wochenende die Datenleitung der Kameras umgestellt wurde.