Homosexualität für deutsche Bischöfe normal

"Nicht veränderbar und gehört auch nicht geändert"

Priester
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Es ist eine kleine Sensation: Die römisch-katholischen Bischöfe in Deutschland haben bei einer Fachkonsultation in Berlin „jedwede Form einer Diskriminierung von homosexuell veranlagten Menschen“ zurückgewiesen. Ob diese Menschen auch Sex haben dürfen, darüber sind sich die Kirchenfürsten aber nicht einig.

Auch Lust und Beziehung sind Teil menschlicher Sexualität – nicht nur die Empfängnis

Die Bischöfe und Theologen, die an der Konsultation teilgenommen hatten, hätten anerkannt, dass die menschliche Sexualität auch eine Lust- und Beziehungsdimension umfasse, heißt es in einer Mitteilung der Kirche zu dem Treffen.

„Ebenso herrschte Einverständnis darüber, dass die sexuelle Präferenz des Menschen sich in der Pubertät ausprägt und eine hetero- oder homosexuelle Ausrichtung annimmt“, heißt es weiter: „Beide gehören zu den normalen Formen einer sexuellen Prädisposition, die durch keine spezifische Sozialisation veränderbar ist oder verändert werden müsste.“

Die klaren Worte sind ein deutliches Zeichen gegen Homophobie und selbsternannte „Homo-Heiler“

Damit stellt sich die römisch–katholische Kirche in Deutschland klar gegen „Homo-Heiler“, die oft im ultrakonservativen und evangelikalen Umfeld agieren. So kam auch der Verein TeenStar in die Schlagzeilen, weil er bei Sexualkunde-Aufklärungen in Schulen Homosexualität als „heilbar“ bezeichnet haben soll.

Doch Lesben und Schwule dürfen nicht diskriminiert werden, so die Teilnehmer der Fachkonsultation. Allerdings: Die „Frage, ob das lehramtliche Verbot praktizierter Homosexualität noch zeitgemäß ist“, sei „kontrovers diskutiert“ worden, heißt es in der Mitteillung der Bischofskonferenz. Die Frage, ob gleichgeschlechtlicher Sex für die katholische Kirche in Deutschland okay ist, bleibt damit unbeantwortet.

Die Ergebnisse der Beratungen, die nun in Berlin stattgefunden haben, sollen in das Forum „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ einfließen, das im Februar beginnen soll.

Die katholische Kirche in Deutschland sucht einen neuen Weg zur Sexualmoral

Die Fachkonsultation wurde von der Kommission für Ehe und Familie der Bischofskonferenz in Verbindung mit dem Institut für christliche Ethik und Politik (ICEP) veranstaltet. Vorsitzender dieser Kommission ist der Berliner Erzbischof Heiner Koch.

Das Treffen ist einer der Vorbereitungstermine für den „Synodalen Weg“, mit dem die Katholische Kirche in Deutschland einerseits den Missbrauchsskandal aufarbeiten möchte, andererseits einen zeitgemäßen Weg bei der kirchlichen Sexualmoral gehen.

An den Gesprächen nahmen neben Erzbischof Koch auch die Bischöfe Franz-Josef Bode aus Osnabrück, Wolfgang Ipolt aus Görlitz und Peter Kohlgraf aus Mainz sowie mehrere Weihbischöfe und außerdem Sexualmediziner, Moraltheologen, Dogmatiker und Kirchenrechtler teil.