Werbung mit Lesben nicht ausgestrahlt: US-Sender entschuldigt sich

Der Druck fundamentalistischer Aktivisten war nicht so groß wie die Welle der Solidarität

Lesbisches Paar im Werbespot
Zola

Seit Jahrzehnten geht die fundamentalistische Hass-Gruppe  „One Million Mums“ immer dann auf die Barrikaden, wenn gleichgeschlechtlich liebende Paare in der Öffentlichkeit positiv dargestellt werden – meistens ziemlich erfolglos. Nun hat ein „familienfreundlicher“ Kabelsender den Protesten der Organisation nachgegeben – zumindest zeitweise.

Eine Webseite für Hochzeitsplanungen wirbt mit einem lesbischen Paar – das bringt die konservativen Mütter auf die Palme

Konkret ging es um Werbespots für die Hochzeitsplanungs-Website Zola: Sechs unterschiedliche Spots wurden auf dem Hallmark Channel gezeigt – doch plötzlich weigerte sich der Sender, jene vier Spots zu zeigen, in denen auch ein lesbisches Brautpaar zu sehen war. Nur jene beiden Spots, in denen ausschließlich heterosexuelle Paare zu sehen waren, sollten weiter auf dem Sender zu sehen sein.

Grund dafür waren die Proteste von „One Million Mums“, deren Mitgliederzahlen von der behaupteten Million übrigens weit entfernt sind. Sie sprachen persönlich mit Bill Abbott, dem CEO der Senderfamilie Crown Media, über die Werbung – zunächst erfolgreich.

Zunächst erringen die fundamentalistischen Aktivistinnen einen Sieg

„Das Gespräch gab uns die Gelegenheit, zu bestätigen, dass der Hallmark Channel ein verlässlich familienfreundlicher Sender bleiben wird“, schrieb die fundamentalistische Lobby-Gruppe auf ihrer Homepage über das Gespräch. Abbot habe ihnen gesagt, dass die Ausstrahlung des Werbespots „ein Fehler gewesen sei“.

Die Macher der Hochzeitspanungs-Website reagierten empört: „Der einzige Unterschied zwischen den beanstandeten Werbespots und denen, die genehmigt wurden, war, dass ein lesbisches Paar sich küsste“, erklärte Zola-Marketingleiter Mike Chi der Nachrichtenagentur AP: „Alle Küsse, Paare und Ehen sind gleichwertige Ausdrücke der Liebe. Wir werden nicht länger auf dem Hallmark Channel werben“, kündigte er an.

Ellen DeGeneres und andere Prominente kritisieren Hallmark, Kunden drohen mit Abo-Kündigung

Und mit dem Protest ist Chi nicht alleine: „Haben wir nicht fast 2020? Was denkt ihr euch dabei? Bitte erläutert das. Wir sind ganz Ohr“, ruft die offen lesbische Talkmasterin Ellen DeGeneres auf Twitter zu Gegenprotesten auf. Mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer haben ihren Tweet favorisiert.

Und das mit Erfolg: Am Samstag wurde #BoycottHallmarkChannel zu einem der populärsten Hashtags auf Twitter. Viele User drohten auch damit, ihr Abonnement für den Bezahlsender zu kündigen. Dieser musste gerade 24 Stunden später einen 180-Grad-Schwenk machen.

Zum Schluss muss der Sender seine Entscheidung zurückziehen und sich entschuldigen

„Wir haben erkannt, dass die Entfernung der Werbespots unbeabsichtigt Menschen gekränkt hat“, erklärte Senderchef Mike Perry am Sonntag: „Einfach gesagt: Wir haben die falsche Entscheidung getroffen.“

Er betonte auch, dass sich der Hallmark Channel immer für Vielfalt engagiert hätte. So habe die LGBTI-Bürgerrechtsorganisation „Human Rights Campaign“ als einen der besten Arbeitgeber des Landes ausgezeichnet hätte. Und die Grußkarten, die von der Firma hergestellt werden, würden auch queere Paare zeigen.

Perry kündigte auch an, künftig mit der LGBTI-Organisation GLAAD zusammenzuarbeiten, „um die LGBTQ-Community besser zu repräsentieren“. Er wolle auch mit Zola in Kontakt treten, um für eine erneute Zusammenarbeit zu werben. Dort bestätigte man das Angebot, betont aber, noch keine Entscheidung getroffen zu haben.

Bei „One Million Mums“ hat man auf den Kurswechsel noch nicht kommentiert.