Fußball-WM: Besucher sollen Rücksicht auf Homophobie in Katar nehmen

Haft, Peitschenhiebe und Erniedrigungen sind für den Cheforganisator nur Lokalkolorit

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Symbolbild - Fotolia

Schwule und lesbische Fußballfans sollen bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar Rücksicht auf die homophobe Kultur des Landes nehmen. Das sagte Cheforganisator Hassan Al Thawadi am Rande der gerade im Land stattfindenden Club-WM. Trotzdem hoffe er, dass die WM helfe, falsche Vorstellungen und Stereotype über das arabische Land zu verändern.

Auf die konkrete Frage eines Journalisten reagiert der Cheforganisator ausweichend

Auf die Journalistenfrage, ob schwule und lesbische Paare während der WM in Katar ihre Zuneigung auf der Straße zeigen könnten, erklärte Al Thawadi ausweichend: „Es gehört nicht zu unserer Kultur, öffentlich Zuneigung zu zeigen, unabhängig von der sexuellen Orientierung.“ Das sollen die WM-Besucher respektieren.

Allerdings wird gleichgeschlechtlicher Sex in dem Emirat nach dem Strafgesetzbuch aus dem Jahr 1971 als „Sodomie“ mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Das kann auch Ausländer treffen: Im Jahr 2016 wurde ein 18-jähriger Pole von den Behörden fast zwei Monate lang ohne Prozess festgehalten und gedemütigt.

Ein schwuler Pole wurde zwei Monate festgehalten und sollte der Polizei als Lockvogel dienen

Die Polizei wollte ihn auch als Lockvogel anwerben, um andere schwule Männer verhaften zu können – was der junge Mann aber ablehnte. Schließlich wurde er ausgewiesen und darf nun auch nicht in die anderen Staaten des Golf-Kooperationsrates einreisen.

Katar sei eben, wie große Länder der Welt, konservativ, und Besucher sollten Rücksicht auf die Kultur des Landes nehmen, so Al Thawadi gegenüber der Weltpresse – und das gilt offenbar auch für Schwule und Lesben. Mehrere LGBT-Organisationen rufen deshalb dazu auf, die Fußball-WM in Katar zu boykottieren – allerdings ohne Erfolg.

So hat die Dachorganisation der queeren Fußballclubs (QFF) schon im September 2015 kritisiert, dass die FIFA mit der Vergabe Artikel 3 seiner eigenen Statuten missachte, der jede Art der Diskrimierung verbiete. Der FIFA dürfte allerdings die finanzielle Schlagkraft des Emirats wichtiger sein als ihre selbst aufgestellten Regeln.