„I am what I am“: Musical-Komponist Jerry Herman ist tot

Er schuf Homo-Hymnen für die breite Masse

Jerry Herman
Kennedy Center Honorees at The White House 2010 / US Federal Government

Der US-amerikanische Musicalkomponist Jerry Herman ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren in Miami im US-Bundesstaat Florida. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Musicals „Hello, Dolly“ und „Ein Käfig voller Narren“, das auch die Schwulenhymne „I am what I am“ enthält.

Der Komponist galt als musikalischer Erbe von Irving Berlin. „Wir haben einen der ganz Großen verloren“, erklärte Harvey Fierstein, der den englischen Text für „Ein Käfig voller Narren“ geschrieben hatte.

Über Jahrzehnte begeisterte Jerry Herman das Broadway-Publikum – und schrieb schwule Klassiker

Der offen schwule Herman, der aus einer jüdischen Familie in Manhattan stammte, schuf im Laufe seiner Karriere ein gutes Dutzend Musicals. Auch, wenn sie meistens etwas schmalzig waren – erfolgreich waren sie alle. So wurden „Ein Käfig voller Narren“, „Hello, Dolly“ oder „Mame“ auf dem Broadway jeweils mehr als 1.500 Mal aufgeführt. Er wolle immer eine „einfache Melodie zum Mitsummen“ komponieren, beschrieb Herman sein Erfolgsrezept.

Und nebenbei schrieb Jerry Herman noch einige schwule Kult-Hymnen. Allen voran wohl „I am what I am“, das im gleichen Jahr in der Disco-Version von Gloria Gaynor zum weltweiten Hit wurde. Der „Käfig voller Narren“, dessen erster Akt mit der Hymne endet, war 1983 das erste Musical mit einem selbstbewussten schwulen Paar im Mittelpunkt – was in der konservativen Öffentlichkeit zu Protesten führte, gerade zu Beginn der Aids-Krise.

Als zweites Standbein dekorierte und verkaufte Herman Häuser

Doch auch mit „Mame“, der Geschichte einer überlebensgroßen Frau, die die Erziehung ihres Neffen in eigene Hände nimmt, schuf er ein Stück Musik, das in schwulen Musicalkreisen Kult-Status genießt. Bei der Premiere spielte Dame Angela Landsbury die Titelrolle

Nach „Hello, Dolly“ und „Mame“ blieben Herman bis zu „Ein Käfig voller Narren“ Erfolge verwehrt. Er fiel darüber in Depressionen, fand aber als Innenarchitekt ein neues Betätigungsfeld. Herman erwarb Häuser, die er renovierte, dekorierte und sodann mit Gewinn wieder verkauft hat.

Im Jahr 1996 outete sich Jerry Herman als HIV-positiv

In seiner 1996 erschienenen Autobiografie schrieb Jerry Herman auch offen über seine HIV-Infektion: Er wurde im Jahr 1985 positiv getestet. Im Gegensatz zu seinem damaligen Partner überlebte er bis zum Beginn der ersten Kombinationstherapien Mitte der 1990-er Jahre.

Herman hinterlässt seinen langjährigen Lebensgefährten Terry Marler, zwei Patentöchter und eine Enkelin. Im Jahr 2009 wurde Jerry Herman für sein Lebenswerk mit einem zusätzlichen Tony Award geehrt.