Belize legalisiert Homosexualität

Nun ist auch der letzte Sabotageversuch der Kirche in dem mittelamerikanischen Land geplatzt

Belize
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Homosexualität ist in Belize legal. Das hat ein Berufungsgericht am 30. Dezember 2019 entschieden. Es hat damit eine Entscheidung aus dem Jahr 2016 bestätigt, wonach ein Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen in dem mittelamerikanischen Land nicht verfassungsgemäß sei.

Seit 2010 kämpft Aktivist Caleb Orozco für ein Ende des Homo-Verbots

Damit hat ein fast zehn Jahre dauernder Kampf um Gleichberechtigung ein glückliches Ende gefunden: Im Jahr 2010 hat der Rechtsanwalt und LGBTI-Aktivist Caleb Orozco beim Obersten Gerichtshof von Belize gegen den aus der britischen Kolonialzeit stammenden Paragrafen geklagt, der gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellt.

In Paragraf 53 hieß es, dass jede Person, die „mit einer Person oder einem Tier einen fleischlichen Verkehr gegen die Ordnung der Natur“ habe, mit zehn Jahren Haft bestraft werde. Doch während die ehemaligen Kolonialherren diesen Paragrafen in Großbritannien aus dem Strafrecht entfernten, blieb er in vielen Kolonien bestehen – so auch in Belize, dem ehemaligen Britisch-Honduras.

Das Gericht gab ihm zunächst recht, doch die Kirche kämpfte weiter dagegen

Im Jahr 2016 hat das Oberste Gericht von Belize schließlich festgestellt, dass dieser Paragraf gegen fünf Abschnitte der Verfassung verstoße: Das Recht auf Würde, Gleichheit vor dem Gesetz, Privatsphäre und freie Meinungsäußerung sowie auf Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts. Das Gericht ordnete an, dass Paragraf 53 nicht mehr auf einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen im privaten Bereich angewendet werden dürfe.

Die römisch-katholische Kirche lief gegen die Entscheidung Sturm und legte gegen das Urteil Berufung ein. Aus nicht bekannten Grünen zog sie diese aber im März 2018 zurück. Stattdessen kämpfe sie hinter den Kulissen gegen das Urteil: Auf Druck kirchlicher Gruppen legte der Generalstaatsanwalt Berufung gegen die Feststellung des Obersten Gerichts, das Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen würde gegen die Meinungsfreiheit und das Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechts verstoßen.

Nun gibt es eine endgültige Entscheidung

Nun hat das Berufungsgericht die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Belize einstimmig bestätigt. Der Berufungsrichter erklärte, einvernehmlicher Sex zwischen erwachsenen Homosexuellen unter vier Augen verletze weder die Grundrechte und anderer noch das öffentliche Interesse. Auch bestätigte der Richter, dass das in der Verfassung verankerte Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auch die sexuelle Orientierung miteinschließe.

Orozco freute sich über die Entscheidung des Berufungsgerichtes: „Ich habe als Bürger bewiesen, dass unsere Grundrechte einen Wert haben und von unseren Gerichten gewahrt werden“, so der 46-Jährige. Auf Facebook erklärte er, er träume im neuen Jahrzehnt davon, dass man queeren Belizianern „nicht mehr mit der Bibel kommt“, sondern dass LGBTQ-Menschen eher Schutz erwarten können und das Gefühl, „willkommen zu sein und dazuzugehören“.

Für die Community ist das Ende des Verbots ein wichtiges Signal

Auch Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen begrüßen diese Entscheidung. Die Entscheidung sei „Teil eines wachsenden internationalen Trends, in dem anerkannt wird, dass Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung im Wesentlichen auf Geschlechterstereotypen beruht“, sagte Téa Braun, Direktorin des Human Dignity Trust.

Die Community in Belize hat in den letzten Jahren an Selbstvertrauen gewonnen: So gibt es in dem mittelamerikanischen Staat seit 2017 auch eine offizielle Pride. Das Urteil wird sie weiter stärken und ihr den dringend notwendigen Auftrieb geben.