Nach Angriffen von Links: Cologne Pride ändert Motto

Köln
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Einigkeit, Recht und Freiheit – mit diesen drei Wörtern beginnt nicht nur die deutsche Nationalhymne, der CSD Köln wollte sie dieses Jahr auch zu seinem Motto machen. Doch nach Protesten und teils auch körperlichen Angriffen linker Jugendorganisationen machen die Organisatoren nun einen Rückzieher.

Der Gedanke: Die deutschen „Grundwerte“ Einigkeit, Recht und Freiheit müssen auch für alle in der Community gelten

 „Wir fordern die Einigkeit innerhalb der Community, aber auch innerhalb der Gesellschaft, wir fordern gleiche Rechte für alle – seien es schwul, lesbisch, trans, Inter-Menschen, seien es Geflüchtete – wir fordern für alle die gleichen Rechte. Und wir fordern natürlich für alle die gleiche Freiheit. Und die haben wir in diesem Lande nicht und deswegen fühlten wir uns mit dem Motto ganz gut aufgestellt“, erklärte Oliver Lau vom Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) als Veranstalter der Cologne Pride dem Westdeutschen Rundfunk (WDR).

So nannten die Kölner Jugendorganisationen von Grünen, SPD und Linken das Motto in einem gemeinsamen offenen Brief „unverantwortlich in Zeiten von verstärktem Nationalismus und immer noch andauernder Diskriminierung queerer Menschen durch den deutschen Staat“. Der Brief wurde unter anderem außerdem vom Bundesverband der Grünen Jugend oder Fridays for Future Köln unterzeichnet.

Bei einer Diskussionsrunde kam es sogar zu tätlichen Angriffen

Bei einer Diskussionsrunde über das Thema mussten die CSD-Veranstalter schnell feststellen, dass bei einigen Teilnehmer eine „Bereitschaft zu einem respektvollen Umgang und einer konstruktiven Diskussion nicht vorhanden und auch nicht erwünscht war“, so der KLuST nach dem Event. Vorstandsmitglieder seien sogar physisch angegriffen worden.

„Ich persönlich bin zum Beispiel als Nazi-Sau beschimpft worden, aber das halte ich aus. Ich halte es auch aus, wenn ich nach so einer Veranstaltung angespuckt werde – ich glaube, das muss man auch aushalten müssen in unserer Position“, erklärte Uwe Weiler vom KLuST dem WDR.

Das neue Motto ist den Kritikern des alten Mottos zu unpolitisch

Um die Wogen zu glätten, zogen die Veranstalter nun die Reißleine: Wie der KLuST am Sonntag bekanntgab, wolle man nicht zur Spaltung der Community beitragen. Nun läuft die größte Parade Deutschlands unter dem Motto „Für Menschenrechte“. Das wiederum ist beispielsweise der Grünen Jugend zu unpolitisch.

Der KLuST kämpfe seit Anbeginn für Respekt, dieser benötige Empathie, heißt es in der Erklärung: „Wenn nun Menschen durch das für 2020 gewählte Motto Ängste empfinden und wir nicht in der Lage waren, ihnen diese zu nehmen, kann das Motto keine Einigkeit erzielen. Und Einigkeit bedeutet nicht Gleichheit.“ Das Motto „Einigkeit! Recht! Freiheit!“ für den Cologne Pride 2020 schüre bei einigen „Zorn und Wut der Vergangenheit und der Zukunft“ und spalte dadurch die Community. Deshalb sei damit ein angstfreier, sicherer und respektvoller CSD für alle nicht möglich, so die Veranstalter.

„Lasst uns nun gemeinsam und einig unter dem Motto ‚Für Menschenrechte‘ demonstrieren und uns auf unsere bestehenden politischen Forderungen besinnen!“, ruft der KLuST nun die einzelnen Gruppen auf.

Nicht alle können die Kritik am ursprünglichen Motto und die Änderung nachvollziehen

Die Reaktionen auf die Änderung des Mottos fallen unterschiedlich aus. „Das habt ihr sehr gut entschieden“, schreibt etwa Sven Lehmann, queerpolitischer Sprecher der Grünen, auf Facebook. Ein anderer User meint hingegen: „Das Motto war toll und dass nun eingeknickt wird, empfinde ich als genauso peinlich, wie die, die sich so aufgebläht empörten und, schlimmer noch, gewalttätig wurden.“

Auch der WDR fand bei einer Straßenumfrage zu dem Thema vor allem Passanten, die nicht verstehen konnten, warum man mit dem ursprünglichen Thema der Cologne Pride ein Problem haben könnte.