Schwules Paar in Klagenfurt verprügelt – Polizei wiegelt ab

Die Angreifer haben gesagt, Schwule seien keine Menschen

Polizei (Österreich)
JouWatch/flickr - CC BY-SA 2.0

In Kärnten ist am Wochenende ein schwules Paar überfallen und verprügelt worden. Die Polizei stuft den Vorfall als normale Rauferei ein. Eines der beiden Opfer hat dem ORF Kärnten beschrieben, wie er den Vorfall wahrgenommen hat.

Am Würstelstand wurden die beiden Männer zunächst beleidigt und mit Essen beworfen

Die beiden Männer waren in der Nacht auf Samstag gegen 4.00 Uhr früh bei einem Würstelstand am Klagenfurter Heuplatz und hielten sich im Arm. Plötzlich begann eine Gruppe von fünf jungen Männern, sie mit Essen zu bewerfen und schwulenfeindlich zu beschimpfen.

Das Paar versuchte, den Angreifern auszuweichen und flüchtete Richtung Stadttheater. Doch die Burschen folgten den beiden Männern und griffen sie an: „Wir wurden angegriffen. Ich hatte einen Rucksack, die Schultergurte wurden abgerissen. Ich lag plötzlich am Boden. Ich habe geschrien wie am Spieß. Ich habe um Hilfe gerufen. Ich hatte Todesangst, als ich am Boden lag.“, erinnert sich einer der beiden Männer gegenüber dem ORF.

Beide Männer wurden verletzt, Passanten sahen nur zu – die Opfer mussten selbst die Polizei rufen

Eigenen Angaben zufolge wurden beide Männer bei dem Angriff verletzt: „Ich habe Prellungen und Abschürfungen. Ich bin auf den Kopf gefallen und habe ein bisschen geblutet. Und warum? Weil sie gesagt haben: Wir sind Schwule, wir sind keine Menschen, die können wir jetzt überfallen“, so das Opfer, das anonym bleiben wollte.

Besonders bedenklich: Anwesende Passanten schritten offenbar nicht ein, die Opfer des Angriffs mussten schließlich selbst die Polizei rufen. Die LGBTI-Gruppe „queerklagenfurt“, die auch die Regenbogenparade in der Kärntner Landeshauptstadt organisiert, sucht deshalb Zeugen.

Als die Polizei dann endlich kam, haben die herbeigerugenen Beamten die Situation offensichtlich falsch eingeschätzt. Bei einem Raufhandel gebe es „immer zwei Seiten“, zitiert „queerklagenfurt“ einen der amtshandelnden Polizisten.

Zu den Hintergründen hält sich der Polizeisprecher zunächst bedeckt

Gegenüber dem ORF Kärnten hat Polizeisprecher Michael Masaniger bestätigt, dass es eine Streitigkeit gegeben habe, zu der die Polizei gerufen wurde. Einen schwulenfeindlichen Hintergrund wollte er vorerst nicht bestätigen. Man wolle zuvor die Befragungen abwarten, zu denen die Beteiligten geladen wurden, so der Polizeisprecher weiter. Im Raum stehe eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Hassverbrechen aus Homophobie sind in Österreich kein eigener Tatbestand, im Gegensatz zu Deutschland werden diese auch nicht vom Innenministerium gesondert gezählt. Vertreter der Community, darunter die Grüne Nationalratsabgeordnete Ewa Ernst-Dziedzic und NEOS-Abgeordneter Yannick Shetty wollen das ändern.