Sexuelle Belästigung: Vorwürfe gegen ehemaligen Familienbischof Küng

Klaus Küng
Diözese St. Pölten

Schwere Vorwürfe erhebt ein Priester gegen den emeritierten St. Pöltner Bischof Klaus Küng: Bei einer Aussprache soll Küng, der auch durch homophobe Aussagen aufgefallen ist, den Geistlichen mit einem Medikament beruhigt und dann unsittlich berührt haben. Der Bischof, selbst Mitglied des ultrakonservativen Opus Dei, weist die Vorwürfe vehement zurück und behält sich rechtliche Schritte vor. Es gilt die Unschuldsvermutung. Strafrechtlich ist der Fall mittlerweile verjährt.

Küng soll einen Priester, mit dem er eine Aussprache hatte, ein Beruhigungsmittel gegeben und ihn dann unsittlich berührt haben

Küng, damals Bischof von Feldkirch, wurde 2004 zum Apostolischen Visitator bestellt, um im St. Pöltener Priesterseminar für Ordnung zu sorgen. Dieses war wegen mutmaßlicher schwuler Exzesse und Kinderpornografie in Verruf geraten. In dieser Position feuerte Küng den damaligen Subregens Wolfgang Rothe, den er damals für die Zustände im Priesterseminar mitverantwortlich machte.

Laut Angaben der Diözese habe Küng am 6. Dezember 2004 Rothe in Anwesenheit des damaligen Generalvikars das Ergebnis der kanonischen Visitation und die vom Hl. Stuhl angeordnete Vorgehensweise mitgeteilt. Dabei habe dieser um Bedenkzeit gebeten und beim Weggehen einen Schwächeanfall erlitten.

Daraufhin ließ Küng den Mann zurück ins Haus bringen und ihn auf einem Sofa ausrasten. Küng, der auch Arzt ist, gab Rothe ein leichtes Beruhigungsmittel. Dann soll er, wie der Geistliche heute berichtet, alle anderen anwesenden Personen aus dem Raum geschickt haben.

Küng soll „sehr erregt“ gewesen sein, sagt der Priester heute

Anschließend soll Küng begonnen haben, Rothe am Rücken und im Gesäßbereich zu streicheln, dabei soll er „sehr erregt“ gewesen sein, wie Opfer-Plattform „Betroffener Kirchlicher Gewalt“ berichtet. Küng selbst weist diese Anschuldigung entschieden zurück. „Weitere anwesende Personen können die Stunden mit Bischof Küng zudem bezeugen“, erklärte die Mediensprecherin der Diözese, Katharina Brandner.

Nach Angaben der Diözese sollte Rothe die Nacht in der Wohnung der Sekretärin des damaligen Diözesanbischofs Kurt Krenn verbringen, wobei Krenns Sekretär ihn im Auto dorthin bringen sollte. Unterwegs habe Rothe allerdings das Auto verlassen und sei in seine eigene Wohnung gegangen.

Dort habe er eigenen Angaben zufolge zur Beruhigung ein Glas Rotwein getrunken haben. Vermutlich aufgrund der Wechselwirkung mit dem Medikament, das ihm der Bischof gegeben habe, stürzte der Geistliche in der Früh von seinem Balkon vom ersten Stock in die Tiefe. Beim Sturz brach er sich die Hand.

Küng und die Diözese weisen alle Vorwürfe von sich: Der Vorfall wurde geprüft, das Verfahren eingestellt

Brandner betonte, der gesamte Vorfall sei wiederholt durch die Polizei geprüft worden: Zunächst gleich nach dem Geschehen, dann kurz darauf erneut, als wegen der Medikamentenverabreichung Anzeige gegen Bischof Küng wegen Körperverletzung erstattet wurde. Bischof Küng habe damals bei den entsprechenden Behörden ausführlich Stellung genommen und die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt.

Eigenen Angaben zufolge hat Wolfgang Rothe letztes Jahr, fünfzehn Jahre nach dem Vorfall, auch den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn über den Vorfall informiert.  Dies bestätigte am Samstag gegenüber Kathpress der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller.

Die Vorwürfe wurden „von der Erzdiözese Wien umgehend an die dafür kirchenrechtlich zuständige vatikanische Bischofskongregation weitergeleitet, von der es aber bislang noch keine Rückmeldung zum Sachverhalt gibt“, so Prüller.

Küng warnte vor „homosexuellen Netzwerken“ unter Priestern

Während seiner Amtszeit hat sich der heute 79-jährige Küng immer wieder gegen die Öffnung der Ehe gewettert. Anlässlich der Einführung von Eingetragenen Partnerschaften in Österreich bezeichnete er im Juni 2008 gegenüber der Tageszeitung Die Presse das Ja-Wort vor dem Standesamt als „irreführendes Zeichen“.

Die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare sei „kurzsichtig mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung“, so Küng im September 2017. Diese sei für den damaligen Familienbischof Klaus Küng nur ein „Trend“, der „in den letzten Jahren unglaublich schnell angewachsen“ sei.

Im Jahr 2010 warnte Küng vor „homosexuellen Netzweken“, die „ein Kloster oder eine Diözese sogar existenziell bedrohen“ könnten. Denn dort bilde sich eine Atmosphäre, „die ganz bestimmte Personen anzieht, andere dagegen abstößt – zum großen Schaden der Seelsorge“, so der Bischof damals.