Nach Haslinger-Buch: Stift Heiligenkreuz über pädophilen Mitbruder erschüttert

Die Taten des Paters erfüllen das ganze Stift "mit tiefer Scham und Bestürzung"

Stift Heiligenkreuz
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Vor gut sechzig Jahren war ein pädophiler Ordensbruder des Stiftes als Religionslehrer tätig. Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger hat nun ein Buch veröffentlicht, in dem er sich mit dieser Zeit autobiografisch auseinandersetzt. Das Stift zeigt sich in einer offiziellen Stellungnahme bestürzt und beschämt über die Taten eines ihrer Mitbrüder.

Autor Josef Haslinger schildert in seinem aktuellen Buch seine Erlebnisse mit dem Pater

Haslinger war in den 1960er Jahren im Internat des Stiftes Zwettl untergebracht. In seinem aktuellen Buch „Mein Fall“ schildert er unter anderem, wie er sexuelle Übergriffe seines Religionslehrers, Pater Gottfried Eder, erlebt hat. Eder war von 1957 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 Mitglied des Konventes von Stift Heiligenkreuz. Die im Buch geschilderten Taten des Paters erfüllten das ganze Stift „mit tiefer Scham und Bestürzung“, heißt es in der Aussendung.

Der Heiligenkreuzer Abt Maximilian Heim betont, er habe Haslingers Anschuldigungen gleich geglaubt, da er 2011 mit einem anderen Fall des Paters konfrontiert wurde. Eder war von 1965 bis 1967 als junger Priester im Zwettler Internat eingesetzt. Ein ehemaliger Internatsschüler hat den Pater beschuldigt, ihn in den 1960er Jahren missbraucht zu haben. Das Stift Heiligenkreuz betont, dass damals alle Schritte eingeleitet wurden, die die Rahmenordnung der römisch-katholischen Kirche Österreichs in diesem Fall vorsehe.

Eder wies damals alle Vorwürfe zurück. Eine Gegenüberstellung mit dem Priester wollte das damalige Opfer aus verständlichen Gründen nicht. „Da Eder seit 2008 krankheitsbedingt nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt war und bereits ein Pflegefall gewesen ist, war eine Entpflichtung von seinen priesterlichen Pflichten obsolet“, so das Stift Heiligenkreuz. Kurz darauf ist der Priester verstorben.

„Das schwere Unrecht kann nicht ungeschehen gemacht werden und hat großen Schaden angerichtet“

Mittlerweile habe es in der Kirche wie in der Gesellschaft einen Perspektivenwechsel gegeben, heißt es in der Mitteilung weiter: Weg von der Vertuschung, hin zu Empathie mit den Opfern.

„Das in den 1960er Jahren begangene schwere Unrecht kann nicht ungeschehen gemacht werden und hat großen Schaden angerichtet, da sexueller Missbrauch durch Vertreter der Kirche viel schwerer wiegt als außerhalb. Denn hier werden zwei ‚Lebensheiligtümer‘, nämlich die Religion und die Sexualität, in einer Tiefe verletzt und missbraucht, die kaum auslotbar ist.“

Der Abt habe Haslinger geschrieben, nachdem dieser das Buch angekündigt hat, und den Autor in diesem Brief um Verzeihung gebeten. Auch hat Heim dem Schriftsteller ein gemeinsames Gespräch angeboten, Haslinger hat dieses Angebot bis jetzt noch nicht angenommen.