Missbrauch vertuscht? Kardinal freigesprochen

Philippe Barbarin
Erzbistum Lyon

Mit einem Freispruch endete am Donnerstag der Prozess gegen Philippe Barbarin, den früheren Erzbischof von Lyon. Ihm war vorgeworfen worden, einen pädophilen Priester gedeckt zu haben. In erster Instanz wurde der 69-Jährige deshalb noch verurteilt.

Bereits 2002 soll Barbarin von den Taten eines pädophilen Priesters erfahren und nichts getan haben

So soll Barbarin bereits nach der Übernahme der Diözese von Lyon im Jahr 2002 erfahren haben, dass der Priester Bernard Preynat hunderte Buben missbraucht haben soll. Barbarin soll diese Informationen aber vertuscht haben, so der Vorwurf der Opfer und derer Angehöriger.

In erster Instanz hat ihn der Richter deshalb im März 2019 zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt – obwohl auch der Staatsanwalt sich für einen Freispruch aussprach. Barbarin berief gegen das Urteil, das Berufungsgericht in Lyon sprach den früheren Erzbischof nun frei. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von der Leitung der Erzdiözese hat sich Barbarin zurückgezogen

Nach dem erstinstanzliche Urteil bot Barbarin Papst Franziskus seinen Rücktritt als Erzbischof von Lyon an, den dieser aber mit einem Verweis auf die Unschuldsvermutung nicht angenommen hat. Trotzdem zog sich Barbarin zurück, der Papst übertrug die Leitung der Erzdiözese dem früheren Bischof von Evry-Corbeille-Essonnes, Michel Dubost.

Bernard Preynat steht derzeit in Lyon ebenfalls vor Gericht. Der 74-Jährige hat vor Gericht gestanden, als Leiter von Pfadfindergruppen und Ferienlagern bis zu „vier bis fünf Kinder pro Woche“ missbraucht zu haben. Ein Teil der Übergriffe, die von 1971 bis 1991 stattgefunden hatten, ist bereits verjährt. Die Staatsanwaltschaft fordert für Preynat mindestens acht Jahre Haft.

Der Fall Preynat bewegt wegen seiner Schwere praktisch die gesamte französische Öffentlichkeit. Regisseur Francois Ozon hat den Fall in seinem Film Grace a Dieu“ („Gelobt sei Gott“) verarbeitet. Preynat versuchte erfolglos, den Filmstart zu verhindern.