Schickte Bischof Küng einen jungen Priester zum „psychiatrischen Schwulentest“?

Schwule Priester soll er unter anderem an ihrer Vorliebe für rosa und dem schwachen Händedruck erkannt haben

Klaus Küng
Christian Jansky/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Neue schwerwiegende Vorwürfe gegen Altbischof Klaus Küng gibt es von der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt: So soll Küng ein paar Monate, nachdem er einen Mitarbeiter sexuell bedrängt haben soll, diesen zu einem „psychiatrischen Schwulentest“ genötigt haben. Der 79-Jährige weist alle Vorwürfe entschieden zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Küng sollte zu dieser Zeit im Priesterseminar von St. Pölten für Ordnung sorgen: Damals hatte man dort unter anderem Kinderpornografie und homoerotische Aufnahmen der angehenden Priester gefunden. Küng ließ das Seminar schließen und entließ die Führung, darunter auch Subregens Wolfgang Rothe.

In einem persönlichen Gespräch nach der Entlassung soll Küng, der während seiner Amtszeit auch immer wieder durch homophobe Aussagen aufgefallen ist, den Geistlichen mit einem Medikament beruhigt und dann unsittlich berührt haben. Der Bischof, selbst Mitglied des ultrakonservativen Opus Dei, weist die Vorwürfe vehement zurück und behält sich rechtliche Schritte vor. Strafrechtlich ist der Fall mittlerweile verjährt.

Zwei Tage Kreuzverhör, um herauszufinden, ob der Jungpriester schwul ist

Nun werden neue Vorwürfe gegen den einstigen Familienbischof öffentlich: So soll Küng den Priester ein paar Monate nach der sexuellen Belästigung zu einem deutschen Gerichtspsychiater geschickt haben, um einen „psychiatrischen Schwulentest“ machen. Dabei wurde der Mann eigenen Schilderungen zufolge zwei Tage lang von dem Psychiater und einem Psychologen „in ein Kreuzverhör genommen“ worden sein, um herauszufinden, ob der Jungpriester homosexuell sei.

Sein „wissenschaftlich begründetes psychiatrisch-psychologisches Gutachten“ schickte der Gerichtspsychiater dann direkt an „seine Exzellenz Herrn Bischof DDr. Klaus Küng“. Diesem scheint es sehr wichtig gewesen zu sein, über die Homosexualität seiner Priester Bescheid zu wissen, wie aus einer Anekdote des mittlerweile offen schwulen Rechtsaußen-Theologen David Berger hervorgeht.

Dieser berichtet in seinem Buch „Der heilige Schein“, dass Küng behauptet haben soll, Schwule an ihrer Vorliebe für die Farben Violett und Rosa zu erkennen sowie an ihrem Bedürfnis Fotos von sich selbst aufzuhängen, an einem bestimmten Geruch und an einem zu weichen Händedruck.

„Wir sind fassungslos und schämen uns für den ehemaligen Opus-Dei-Bischof Küng”

„Wir sind fassungslos und schämen uns für den ehemaligen Opus-Dei-Bischof Küng”, so Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt. „Menschenverachtender kann man kaum mehr sein. Wir fordern Küng nun auf, alles auf den Tisch zu legen.“ Von der Justiz verlangt die Plattform unter anderem Hausdurchsuchungen in den Ombudsstellen und bei der kircheninternen Missbrauchs-Kommission: „Wir vermuten, dass hier viele Straftaten archiviert sind und vor der Justiz versteckt werden sollen“.

Küng und die Kirche weisen die Anschuldigungen weiter zurück. Der Vorwurf des versuchten sexuellen Missbrauchs sei seit mehr als einem Jahr bekannt, jedoch aufgrund der Unglaubwürdigkeit der Quellen nicht weiterverfolgt worden, hieß es letzte Woche seitens der Diözese St. Pölten gegenüber Kathpress. Gegenüber dem Kurier gab Küng allerdings zu, Rothe illegal ein Medikament verabreicht zu haben.

Küng warnte vor „homosexuellen Netzwerken“ unter Priestern

Während seiner Amtszeit hat sich der heute 79-jährige Küng immer wieder gegen die Öffnung der Ehe gewettert. Anlässlich der Einführung von Eingetragenen Partnerschaften in Österreich bezeichnete er im Juni 2008 gegenüber der Tageszeitung Die Presse das Ja-Wort vor dem Standesamt als „irreführendes Zeichen“. Die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare sei „kurzsichtig mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung“, so Küng im September 2017.

Im Jahr 2010 warnte Küng vor „homosexuellen Netzweken“ innerhalb der römisch-katholischen, die „ein Kloster oder eine Diözese sogar existenziell bedrohen“ könnten. Denn dort bilde sich eine Atmosphäre, „die ganz bestimmte Personen anzieht, andere dagegen abstößt – zum großen Schaden der Seelsorge“, so der heute 79-Jährige damals.