Hamburger Erzbischof: Lesben und Schwule sollen Sex haben dürfen

Symbolbild: Händchenhaltendes Paar
Symbolbild - Fotolia/rawf8

Ungewohnte Worte kommen aus der römisch-katholischen Kirche: In der ersten Vollversammlung des Synodalen Wegs letzten Samstag in Frankfurt am Main forderte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße eine andere Morallehre zu Homosexualität. Dazu gehöre, dass die Kirche Lesben und Schwulen auf Augenhöhe begegnen müsse.

Der aktuelle Katechismus betrachte Homosexuelle von oben herab

So kritisierte Heße in seiner Rede auch die Formulierung im aktuellen Katechismus der römisch-katholischen Kirche, dass man Homosexuellen mit Respekt begegnen müsse. Sie enthalte eine Perspektive von oben herab und entspreche nicht einer Begegnung auf Augenhöhe.

Auch ist der Hamburger Erzbischof damit nicht einverstanden, dass nach katholischer Lehre Lesben und Schwule sexuell enthaltsam leben müssen. Er wisse aus der Seelsorge, dass viele Homosexuelle in ihrer Beziehung Werte wie Respekt und Verantwortung lebten. Diesen Menschen müsse die Kirche gerecht werden, so der Bischof unter großem Applaus der Versammlung.

Die deutschen Katholiken diskutieren intensiv über die kirchliche Sexualmoral

Die Rede von Heße war Teil einer intensiven Debatte über die Sexualmoral der römisch-katholischen Kirche. Der am Ende der ersten Synodalversammlung stand. Der Synodale Weg, der zwei Jahre lang dauern soll, ist ein Gesprächsformat für eine strukturierte Debatte innerhalb der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Damit soll der Missbrauchsskandal aufgearbeitet werden und offen über Punkte wie Sexualmoral oder die Rolle der Frauen diskutiert werden.

Oberstes Organ dieser Initiative ist die Synodalversammlung mit über 230 Mitgliedern, die sich aus Bischöfen, Gläubigen und Vertretern der Kirchenberufe zusammensetzen. Diese Versammlung soll sich in den nächsten zwei Jahren noch drei Mal treffen. Dieses Mal wurde unter anderem die Rolle der Frauen in der Versammlung gestärkt: So muss das Tagungspräsidium stets geschlechter-paritätisch besetzt werden und Anträge gelten nur dann als angenommen, wenn auch eine Mehrheit der Frauen für sie stimmt – für katholische Versammlungen eine Premiere.