Neos wollen Blutspende-Regeln für schwule und bisexuelle Männer öffnen

Blutkonserve
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Seit Dezember können schwule und bisexuelle Männer in Österreich Blut spenden – wenn sie zwölf Monate lang keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten, egal mit welchem Partner. In der Praxis komme das einem kompletten Ausschluss von der Blutspende gleich, kritisieren die Neos. Das Gesundheitsministerium zeigt sich gesprächsbereit.

Mit der jetzigen Regelung würde schwulen Männern pauschal Risikoverhalten unterstellt

Schwulen Männern würde mit den jetzt geltenden Regeln pauschal ein sexuelles Risikoverhalten unterstellt, ärgert sich Yannick Shetty, LGBTQ-Sprecher der Neos: „Eine zwölfmonatige Enthaltsamkeit für eine einzige Blutspende entspricht nicht der Lebensrealität“, erklärt er.

Doch das Gesundheitsministerium will daran vorerst nichts ändern, ergibt die aktuelle Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage (Aktenzeichen: 299/AB) an Shetty. So möchte das Ministerium an einem standardisierten Fragebogen festhalten will, der die Eignung zum Spenden feststellen soll. Dieser macht auch weiterhin einen Unterschied zwischen schwulen oder bisexuellen und heterosexuellen Spendern.

Das Gesundheitsministerium hält an der zwölfmonatigen Frist fest

Das diene vor allem der Blutsicherheit, erklärt Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen in der Anfragebeantwortung. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, käme es nicht auf die Anzahl der Partner an. Sie würden per se zur Risikogruppe mit hohem Übertragungsrisiko von Infektionskrankheiten gehören, so die zuständige Blutkommission.

Anschober beruft sich in seiner Anfragebeantwortung auf EU-rechtliche Vorgaben, besonders auf Richtlinie 2004/33/EG – doch dort heißt es nur, dass „Personen, deren Sexualverhalten ein hohes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt“ von der Blutspende auszuschließen seien – ohne Erwähnung der sexuellen Orientierung.

Auch heißt es in der Anfragebeantwortung, die „Ausschließung von MSM von einer Blutspende wird auch in den anderen EU-Ländern praktiziert, da das Sexualverhalten von MSM wissenschaftlich gesehen als Risikoverhalten einzuordnen ist“. Ähnliche Regeln gelten in Belgien, der Schweiz, der Republik Irland, den Niederlanden, Frankreich und den USA.

In anderen Ländern ist das eigene Verhalten wichtig, nicht die sexuelle Orientierung

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Denn in Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien bestimmt das individuelle Verhalten der Spender deren Eignung als Blutspender, und nicht deren sexuelle Orientierung. Frankreich ist mittlerweile von der Zwölf-Monats-Regel abgekommen, ab diesem Jahr sind es nur mehr vier Monate Wartezeit, ab 2022 könnten homo- und heterosexuelle Blutspender vollkommen gleich behandelt werden.

Auch Dänemark hatte seine ohnehin lockeren Bestimmungen – nur vier Monate Wartezeit für schwule und bisexuelle Männer – letztes Jahr noch einmal liberalisiert. „Wenn man in einer monogamen Beziehung lebt, soll die Blutbank sagen können, dass die viermonatige Quarantäne nicht notwendig ist. Denn dann liegt kein riskantes sexuelles Verhalten vor“, so Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby.

Nun möchten die Neos, dass auch in Österreich beim Blutspenden das individuelle sexuelle Risikoverhalten unabhängig von der sexuellen Orientierung abgefragt wird.  „Das gefährdet die Blutsicherheit in keiner Weise“, ist sich Shetty sicher. Und es geschieht schon mit dem aktuellen Fragebogen: Denn auch Heterosexuelle mit mehr als drei Sexualpartnern in den letzten zwölf Monaten sind von der Blutspende ausgeschlossen.

Der Grüne Gesundheitsminister ist gesprächsbereit

Und auch bei den Grünen scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. So hat Ewa Ernst-Dziedzic, stellvertretende Bundessprecherin und in der Partei für LGBTQ-Themen zuständig, vor einigen Wochen im Nationalrat angekündigt, dass das Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer fallen werde.

Und auch Gesundheitsminister Anschober betonte auf Nachfrage, nur die Empfehlungen der Blutkommission veröffentlicht zu haben. Er kündigte Gespräche mit Experten an, um Diskriminierung bei der Blutspende künftig zu verhindern.