[Update] Stadt Wien will 800.000 Euro in den „Geist des Life Balls“ investieren

Gut 300.000 Euro davon für Regenbogenparade und Co.

Rathausplatz beim Life Ball
Life Ball/Christoph Leder

Es war ein Moment der Wehmut, als Gery Keszler letztes Jahr ankündigte, den Life Ball nicht mehr weiter veranstalten zu wollen. Als einer der Gründe dafür wurde damals auch eine schwierige Gesprächsbasis mit der Stadt Wien kolportiert. Seitens der Stadt wurde immer wieder betont, man wolle den „Geist des Life Balls“ weiterleben lassen – bis jetzt allerdings, ohne konkrete Pläne vorzulegen. Doch diese wurden nun präsentiert.

200.000 Euro zusätzlich für HIV-Projekte, um die Verluste durch den Life Ball auszugleichen

Gut 800.000 Euro will die Stadt Wien pro Jahr zusätzlich quer durch alle Ressorts in Nachfolgeprojekte für den Life Ball investieren. So sollen Aids-Hilfe und Aids-Forschung stärker gefördert werden, der „Regenbogenmonat Juni“ aufgewertet werden und das Thema Aufklärung stärker thematisiert werden. Nach Informationen des Standard handelt es sich dabei um Gelder, die von der Stadt für den Life Ball reserviert waren.

Nun werden diese Beträge umgeschichtet. Als ersten Schritt will die Stadt Wien der Aids Hilfe Wien und anderen HIV-Organisationen helfen, den Ausfall der Spenden durch den Life Ball zu kompensieren. So wird die Förderung um 200.000 Euro auf mehr als eine Million Euro aufgestockt.

Zum Vergleich: Letztes Jahr hat der Life Ball 126.000 Euro an Projekte in ganz Österreich ausgeschüttet, die Jahre zuvor hat allein die Aids Hilfe Wien vom Life Ball jährlich etwa 200.000 Euro bekommen. Geld, das die etablierte Organisation derzeit braucht, um für die Anforderungen der Zukunft gerüstet zu sein. So will man sich zu einem Zentrum für sexuelle Gesundheit verbreitern. Ganz wettmachen wird die Erhöhung der Förderungen aber vermutlich gerade bei kleinen Initiativen das Ende des Life Balls nicht.

Auch will die Stadt Wien die Forschung im Bereich HIV/Aids stärker unterstützen und sich stärker in internationalen Forschungsnetzwerken positionieren. Außerdem möchte die Stadt einen eigenen Forschungskongress ins Leben rufen, wofür 150.000 Euro bereitgestellt werden.

„Regenbogenmonat Juni“ soll gestärkt werden – aber wen will die Stadt damit unterstützen?

Gut 300.000 Euro sollen in den „Regenbogenmonat Juni“ fließen, wenn es nach den Plänen der Stadt Wien geht – und da wohl ein bedeutender Teil in die Stonewall GmbH, die dieses Jahr neben der 25. Regenbogenparade auch die Vienna Pride das Pride Village veranstaltet.

Die zur HOSI Wien gehörende Firma hat bereits letztes Jahr die EuroPride mit ihren Begleitprojekten veranstaltet. Nicht ganz ohne Irritationen seitens der Community: Vor allem die zögerliche Informationspolitik der Geschäftsführung gegenüber der Community sorgte dort für Unmut. Für beide Jubiläen rechnete die Firma intern mit einem Gesamtbudget von zwei Millionen Euro, letztes Jahr hat die Stadt Wien die EuroPride mit 900.000 Euro gefördert.

150.000 Euro für einen „Tag der sexuellen Gesundheit“

Als letzten Punkt stellt die Stadt Wien 150.000 Euro für einen „Tag der sexuellen Gesundheit“ am 4. September zur Verfügung. Dabei sollen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Vielzahl von Angeboten zu den Themen Gesundheitskompetenz, Verhütung und sexuelle Gesundheit bereitgestellt werden.

Mit diesen Aktionen danke die Stadt Wien auch dem langjährigen Life-Ball-Organisator Gery Keszler, heißt es aus dem Rathaus. Keszler habe „über viele Jahre mit unermüdlichem Engagement und großem Erfolg dieses wundervolle Projekt aufgebaut und vorangetrieben“, wird Gesundheitsstadtrat Peter Hanke von der SPÖ zitiert. Eine öffentliche Stellungnahme von „Life-Ball-Vater“ Gery Keszler zu den Plänen der Stadt Wien gibt es noch nicht.

Neos: Bürgermeister Ludwig hat sein Versprechen gebrochen.

Kritik an den Plänen der Stadtregierung kommt von den Neos. Deren Wiener Klubobmann Christoph Wiederkehr sieht die Rettung des Life Balls als gescheitert an, Bürgermeister Michael Ludwig von der SPÖ habe sein Versprechen, eine Nachfolgeveranstaltung ins Leben zu rufen, gebrochen.

„Wir begrüßen natürlich zusätzliche budgetäre Mittel für die Aids-Hilfe und andere Initiativen, das kann aber den enormen Wert des Life Balls nicht wettmachen, der ein Vielfaches der künftigen Fördersumme eingespielt hat“, so Wiederkehr, der den Life Ball als das „internationale Gesicht für Wien als weltoffene, tolerante Stadt“ bezeichnete. „Ewig schade, dass der Bürgermeister hier offenbar wenig initiativ geworden ist“, so der Wiener  Neos-Klubobmann.

Grüne begrüßen mehr Geld für Community und bedauern das Ende des Balls

Freundlicher ist die Reaktion der Grünen, dem Koalitionspartner der SPÖ in Wien. „Ich freue mich, dass die finanziellen Mittel des Life Balls weiterhin der Aids Hilfe Wien und anderen relevanten Organisationen zu Gute kommen. Schade ist allerdings, dass es nicht gelungen ist, den Life Ball weiterzuführen oder weiterzuentwickeln“, so der Sprecher der Grünen Andersrum, Peter Kraus.

„Der Life Ball war ein Fixpunkt im Regenbogenmonat Juni und ein wichtiger Event der queeren Community, die diesen Ball über Jahre unterstützt und getragen hat. Damit die gesamte Vielfalt der queeren Wiener Community gestärkt wird, ist es auch notwendig, dass die unterschiedlichen NGOs und Vereine gefördert werden“, fordert Kraus.


Updates: Reaktionen der Neos und der Grünen, kleinere Anpassungen, Referenz auf den Standard.