Die Stadt Wien und der „Geist des Life Balls“: Gery Keszler stellt einiges klar

Er wollte nicht mit dem Life Ball aufhören - und mit ihm hätte es mehr Geld für HIV-Projekte gegeben

Gery Keszler
Manfred Werner/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Den „Geist des Life Balls“ will die Stadt Wien hochhalten und das für die internationale Großveranstaltung reservierte Geld nun unter anderem Aidshilfe-Organisationen und der Community bereitstellen. In der Tageszeitung Der Standard hat sich nun Ballvater Gery Keszler dazu geäußert – mit teils heftigen Worten.

Für Keszler ist das Vorgehen der Stadt Wien „befremdlich und beschämend“

So bezeichnete Keszler das Vorgehen der Stadt „befremdlich und beschämend“. „Hätten wir das Geld erhalten, hätte es heuer wieder einen Life Ball gegeben“, erklärt der Vater der international renommierten Veranstaltung. Man hätte „das Geld für Aidshilfe-Initiativen multipliziert“. Keine leeren Worte: Denn jene 200.000 Euro, die die Stadt nun allen Wiener Aidshilfe-Initiativen zusätzlich zur Verfügung stellt, bekam vor zwei Jahren die Aids Hilfe Wien alleine vom Life Ball.

Keszler betont auch, dass er selbst mit dem Life Ball nicht aufhören wollte. „Diese Erzählung hält die Stadt Wien aufrecht“, erklärt er. Vielmehr sei er dazu getrieben worden, nachdem Sponsoren abgesprungen waren und die Stadt Wien die Veranstaltung weder kurzfristig einspringen noch Ausfallshaftungen übernehmen wollte.

Bürgermeister Ludwig wollte mit Keszler nicht über die Zukunft des Life Balls reden

Gegenüber dem Standard betont Keszler auch, dass es nicht korrekt sei, dass Bürgermeister Michael Ludwig sich für eine Fortsetzung des Balls in einer anderen Form stark gemacht hätte. Es habe keine direkten Gespräche gegeben. Einmal sei eine seiner Mitarbeiterinnen von der Stadt um einen Gesprächstermin gebeten worden – als sie nachfragte, ob dieser Termin mit Keszler akkordiert sei, sei der Kontakt abgebrochen.

Eine Reaktion der Stadt Wien auf Keszlers Aussagen gibt es nicht. Wie gestern bekannt wurde, sollen mit dem Geld, das für den Life Ball vorgesehen war, Aids-Hilfe und Aids-Forschung stärker gefördert werden, der „Regenbogenmonat Juni“ aufgewertet werden und das Thema Aufklärung stärker thematisiert werden. Davon werden vermutlich die Aids Hilfe Wien, die sich zu einem Zentrum für sexuelle Gesundheit wandeln möchte, und die Stonewall GmbH als Veranstalterin der Regenbogenparade besonders profitieren.

Kritik an den Plänen der Stadtregierung kommt von den Neos. Deren Wiener Klubobmann Christoph Wiederkehr sieht die Rettung des Life Balls als gescheitert an, Bürgermeister Michael Ludwig von der SPÖ habe sein Versprechen, eine Nachfolgeveranstaltung ins Leben zu rufen, gebrochen. Für den Koalitionspartner begrüßt Peter Kraus, Sprecher der Grünen Andersrum, dass das Geld weiter „der Aids Hilfe Wien und anderen relevanten Organisationen“ zugutekommt. Auch er bedauert allerdings das endgültige Aus für den Life Ball.