Keszlers Abrechnung mit der SPÖ: „Lieber Blümels Knackarsch als Ludwigs Schnitzelgesicht“

Life-Ball-Vater als Überraschungsgast beim Parteitag der ÖVP Wien sorgt für starke Emotionen

Gery Keszler
Manfred Werner/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Für heftige Reaktionen von allen Seiten sorgt der Auftritt von Life-Ball-Gründer Gery Keszler beim Landesparteitag der ÖVP Wien. In Sozialen Medien werfen ihm Community und Politik Opportunismus vor – auch einige, die sich in den letzten Jahren im Licht des Life Balls sonnten. Keszler wehr sich – und ist dabei nicht gerade diplomatisch.

Die ÖVP stehe für den „Weg der Veränderung“, meint Keszler am Wiener Parteitag

Er sei „für den Weg der Veränderung“ und „niemand muss eine Abrechnung mit der Stadt Wien fürchten“, so der 56-Jährige bei seinem Auftritt vor versammelter ÖVP-Prominenz. Er sei „weder rechts noch links. Ich bin in der Mitte, in meiner Mitte“, betonte er in seiner Rede, und streute Türkis-Grün Rosen: „Die neue Regierung ist die Chance dafür, dass Mut zur Veränderung nicht nur leere Worte sind“, sagte er. Sie habe „erfolgreich erstarrte Bündnisse aufgelöst. Das ist angewandte Demokratie und dazu stehe ich“.

Der Auftritt von Keszler als Gast von Landeschef Gernot Blümel beim Wiener ÖVP-Parteitag kommt nur einen Tag, nachdem er harsche Kritik an der SPÖ geübt hat, mit der ihn jahrelang eine enge Zweckgemeinschaft verbunden hat: Die Stadt unterstützte den Life Ball, und die Politiker konnten dann auf dessen Bühne mit internationalen Stars um die Wette strahlen.

Statt Keszler unterstützt die Stadt nun Organisationen der Community, mit denen sie ein nahes Verhältnis hat

Doch das Ende dieser Zweckehe kam vor zwei Jahren, als Keszler einige Unterstützer für den Life Ball absprangen und die Stadt Wien weder mit zusätzlichem Geld noch mit einer Ausfallhaftung einspringen wollte. Keszler musste das Ende des Life Balls verkünden, Bürgermeister Michael Ludwig versprach dem Gemeinderat zunächst eine ähnlich gelagerte Veranstaltung.

Stattdessen gab die Stadt Wien letzte Woche bekannt, die für den Life Ball vorgesehenen Förderungen in der Höhe von 800.000 Euro für diverse HIV-Projekte, einen „Tag der sexuellen Gesundheit“ und den „Regenbogenmonat Juli“ zu verteilen – und damit auch an Organisationen, die zum Teil als sehr SPÖ-nah gelten. Mittlerweile erklärte Finanzstadtrat Peter Hanke, dass Keszler die Förderung für den Life Ball schon bekommen hätte, wenn er dieses Jahr einen veranstalten würde.

Keszler hat „Blümel bei seinem Knackarsch“ lieber als den Bürgermeister bei seinem „verschlagenen Schnitzelgesicht“

Nicht nur deshalb ist Gery Keszler auf die Wiener SPÖ nicht gut zu sprechen – und er tat seinem Unmut auch auf Facebook kund: „Bin auch schuldig dafür, dass ich Blümel bei seinem Knackarsch lieber hab, als Ludwig bei seinen verschlagenen Schnitzelgesicht“, schrieb er dort äußerst undiplomatisch.

Dementsprechend sauer ist man in der Sozialdemokratie jetzt auf den Life-Ball-Gründer. Ex-Minister Thomas Drozda schimpfte auf Twitter über Keszlers „Opportunismus, lupenrein, nicht mehr, aber auch nicht weniger“. Und der ehemalige Aids-Hilfe-Obmann Dennis Beck schrieb süffisant: „Unser politischer Horizont geht ja über den Arsch vom Blümel hinaus.“

Schielt Gery Keszler auf die Veranstaltung des Opernballs?

Markus Huber, Herausgeber des Magazins Fleisch, schrieb in dem Kurznachrichtendienst: „Dass Gery Keszler der neue Posterboy der Wiener ÖVP sein soll und will, das überfordert meine Vorstellungsvermögen übrigens gewaltig. Um was gehts da? Rache? Weltanschauung? Den Opernball?“ Doch dass es ihm um die Organisation des Staatsballs gehe, dementiert Keszler. Wobei er dem Kurier sagte: „Das künstlerische Programm zu gestalten würde mich sehr interessieren, aber ich glaube, die Gesellschaft ist noch nicht reif für mich.“

Und auch die Community spart nicht mit Kritik an Keszler – schließlich ist die ÖVP jene Partei, die seit Jahren sämtliche rechtlichen Verbesserungen für LGBTI-Personen verhindert. Der Life-Ball-Gründer wird hier als „vollkommen rückgratlos“ bezeichnet, er lasse sich „als Feigenblatt für eine Partei missbrauchen, die vor allem dafür bekannt ist, gegen alles zu sein, was uns ein friedvolles, gleichberechtigtes Leben und Lieben ermöglichen würde.“