Coronavirus in Wiener Szene: Circus abgesagt, Why Not und Gugg geschlossen

Keine Einschränkungen bei den Saunen, einige Veranstalter beraten über die Zukunft

Riesenrad im Wiener Prater
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Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Nähere Informationen über den aktuellen Stand der Maßnahmen gibt es auf unserer Übersichtsseite.

Nun haben die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus auch die Wiener Szene mit voller Wucht erreicht: So hat die Bundesregierung am Dienstag entschieden, alle Outdoor-Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern und alle Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern zu untersagen.

Die großen Parties fallen unter das Veranstaltungsverbot der Regierung

Das Veranstaltungs-Verbot trifft auch etliche Events der Community, die in den nächsten Wochen geplant sind. Das „Astronaughty“, das diesen Samstag stattfinden sollte, wurde „aufgrund der aktuellen Veranstaltungsbeschränkungen und vor allem zum Schutz unser aller Gesundheit“ abgesagt, wie es von den Veranstaltern heißt.

Auch das „Replay„-Clubbing, das ebenfalls am Samstag stattfinden sollte, wurde abgesagt – ebenso das „Notaufnahme„-Clubbing Mitte Mai, das „PiNKED„-Clubbing und das „KEN“ mit „Queen of Drags“-Teilnehmerin Bambi Mercury, das nächste Woche stattfinden hätte sollen

Hard On und Saunen sind vorerst nicht betroffen

Derzeit nicht betroffen ist das Hard On, die bekannteste Fetisch-Location der Stadt. Die Veranstaltungen hätten in der Regel weniger als hundert Teilnehmer, betont ein Sprecher des Vereins gegenüber GGG.at. Sollten sich die Umstände ändern, werde man kurzfristig entscheiden. Ähnliche Lokale haben auf eine Anfrage noch nicht reagiert.

Nach derzeitigem Stand dürften Lokale mit Darkroom nicht von zusätzlichen Maßnahmen betroffen sein. Auch in den Wiener Schwulensaunen gilt derzeit Business as Usual. Sowohl Sportsauna als auch Römersauna bestätigen gegenüber GGG.at, dass er derzeit keine Einschränkungen gebe.

Why Not und Gugg schließen vorübergehend ihre Pforten

Da die 100-Personen-Regel auch für Lokale gilt, hat das Why Not angekündigt, bis Anfang April zu schließen. Für die erste Schwulendisco der Stadt ist diese Maßnahme eine Premiere in der mehr als vierzigjährigen Geschichte der Clubdiscothek. Da befreundete Lokale wie das Village, das Felixx und die Mango Bar ein Fassungsvermögen von jeweils unter 100 Personen haben, empfiehlt das Team, auf diese Lokale auszuweichen. Diese haben wie gewohnt geöffnet.

Mittlerweile hat auch die HOSI Wien Konsequenzen gezogen. Dort hat man beschlossen, Besucher und Team „im Sinne der nationalen Gesundheitsempfehlungen“ keinem unnötigen Risiko auszusetzen. Das Vereinslokal der HOSI Wien, das Gugg, bleibt deshalb bis 22. März geschlossen. Der Bürobetrieb wird auf Home Office umgestellt

Wegen Corona muss der Circus abgesagt werden, bei der Vienna Pride herrscht Zweckoptimismus

Wie lange die Verordnung zur Einschränkung von Veranstaltungen in Kraft ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Prominentestes Opfer der Absagen ist der „Circus„, das größte Gay-Clubbing Österreichs. „Leider müssen wir euch mitteilen, dass wir gemäß der jüngsten Bestimmungen der österreichischen Bundesregierung zur Eindämmung des COVID-19 Ausbruchs in Europa unsere bevorstehende Veranstaltung „Circus – Fresh off the Farm“ am 4. April absagen müssen. Aus Sorge um die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Gäste und KünstlerInnen unterstützen wir diese Entscheidung voll und ganz“, heißt es in einer Stellungnahme.

Stonewall-Geschäftsführerin Katherina Kacerovsky übt sich derweil in Zweckoptimismus. „Derzeit ist Vienna Pride nicht von den amtlichen Maßnahmen betroffen und wir sind täglich mit den österreichischen sowie internationalen Stellen in engem Austausch. Wir sind froh über die aktuellen Maßnahmen Österreichs zur Eindämmung des Corona-Virus, begrüßen diese sehr, weil wir dadurch hoffen, dass die Verbreitung damit in den nächsten vier bis acht Wochen gestoppt werden kann. Bis dahin arbeiten wir weiterhin an der sicheren Umsetzung von Vienna Pride 2020“, betont die Veranstalterin.

Kurz: „Je weniger soziale Kontakte, desto besser“

Neben den großen Events betreffen die Maßnahmen und Empfehlungen der Bundesregierung auch viele kleine Veranstaltungen, Parties in Lokalen oder Lokalbesuche selbst. „Je weniger soziale Kontakte es gibt, desto besser sind die Spitäler gerüstet“, so Bundeskanzler Sebastian Kurz bei der Pressekonferenz der Regierungsmitglieder. Als Hauptüberträger nannte er die Altersgruppe der 14- bis 30-Jährigen, weil sie viele soziale Kontakte habe.

Für die Veranstalter und Gastronomen, die teilweise von den Events leben, kann die Entscheidung der Regierung zum Problem werden. „Zu Beginn dieses Jahres haben wir unser erstes Büro und unseren Creativespace gemietet, Personal eingestellt, große Investitionen getätigt und unermüdlich daran gearbeitet, großartige Events für euch und die LGBTIQ-Community zu schaffen“, schreibt das „Circus“-Team – und das wolle man auch weiter tun.

Doch die Investitionen können nun nicht so schnell gedeckt werden. Denn Innenminister Karl Nehammer betont, dass es für Veranstalter keine Entschädigung vom Staat gibt. „Das ist höhere Gewalt“, so Nehammer. Unternehmen in der Veranstaltungsbranche hätten aber die Möglichkeit, die von der Regierung gestellten Hilfsmaßnahmen wir Kurzarbeit oder Überbrückungskredite in Anspruch zu nehmen, ergänzte Kurz.