HIV: „Londoner Patient“ ist noch immer virenfrei

Seit mehr als zwei Jahren konnte kein Virus mehr bei dem Mann festgestellt werden

Tower Bridge
Skeeze/Pixabay

Vor einem Jahr ging der Fall eines Mannes, der von seiner HIV-Infektion geheilt wurde, international durch die Medien. Der „Londoner Patient“ ist erst der zweite HIV-Geheilte der Geschichte. Nun ist in dem Körper des Mannes seit 30 Monaten kein HI-Virus mehr nachweisbar, berichtet ein Team um Ravindra Gupta vom University College London im Fachblatt The Lancet.

Auch beim „Londoner Patient“ wurde HIV durch eine Knochenmarktransplantation geheilt

Die Umstände waren ähnlich wie bei Timothy Brown, dem ersten geheilten HIV-Patienten, der als „Berliner Patient“ in die Geschichte einging. Bei dem „Londoner Patienten“ war 2003 AIDS diagnostiziert worden. Seit 2013 erhielt er eine retrovirale Therapie, im gleichen Jahr wurde bei ihm Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Um diesen zu behandeln, wurde dem Mann 2016 Knochenmark transplantiert, der Spender hatte eine bestimmte Genmutation, die eine HIV-Infektion normalerweise verhindert.

Zusätzlich erhielt der „Londoner Patient“ eine schonendere Chemotherapie, auf eine Ganzkörperbestrahlung wie beim „Berliner Patienten“ wurde in diesem Fall verzichtet. Nach der Knochenmark-Transplantation wurde der Mann für weitere 16 Monate mit der antiretroviralen Therapie gegen HIV behandelt.

Im Körper des Mannes gibt es seit mehr als zwei Jahren keine HI-Viren mehr

Genau 18 Monate später, im letzten Jahr, berichteten die Ärzte zum ersten Mal, dass der Patient geheilt worden sei. Nun werden sie sich immer sicherer: Es werde Gupta zufolge immer wahrscheinlicher, dass es sich auch beim „Londoner Patienten“ um eine HIV-Heilung handle. 

In einer Aussendung zur Studie schränkt er die Hoffnungen, dass mit dieser Methode für viele Betroffene eine schnelle Heilung von HIV möglich sei. „Es handelt sich um eine hochriskante Therapie, einen letzten Ausweg für HIV-Patienten mit anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen“, betont er. Allerdings könne daraus sehr wohl ein breiter anwendbarer Ansatz für eine HIV-Heilung werden, fügt er hinzu.

Der zweite erfolgreiche Fall nach dem „Berliner Patienten“ Timothy Brown

Bisher galt Timothy Brown, bei dem 2007 an der Berliner Charité eine experimentelle Therapie glückte, als einziger geheilter HIV-Patient weltweit. Er gilt seit 2011 als geheilt. In beiden Fällen wurde das Immunsystem durch eine Stammzelltherapie neu aufgebaut. Die Spender der Stammzellen hatten jeweils eine seltene Genmutation, die gegen das Virus immun macht. Insgesamt wurden danach sechs weitere Menschen so behandelt, bei den anderen gab es allerdings Rückfälle.

Prinzipiell ist eine HIV-Infektion bis heute nicht möglich. Mit Hilfe aktueller Medikamente ist für Betroffene heute ein Leben fast ohne Einschränkung möglich, mit der Prä-Expositionsprohylaxe (PrEP) können auch HIV-Negative einer möglichen Infektion vorbeugen.