Schwulenfeindlicher Angriff in Schweizer Nobel-Skiort

Unbekannter fragte 31-Jährigen, ob er "auch so eine Schwuchtel sei" - und schlug dann zu

Blaulicht
Symbolbild - Archiv

Homophober Angriff im Schweizer Nobel-Skiort St. Moritz: Wie die Zeitung 20 Minuten berichtet, wurde Ende Februar ein 31-jähriger Züricher wegen seiner sexuellen Orientierung an einer Hotelbar verprügelt.

Als Ben von der Toilette zurückkam, wurde er angeschnauzt – und hatte eine Faust im Gesicht

„Es war eigentlich ein ganz normaler Abend“, erinnert sich der Modedesigner Ben Haemmig, Gründer und Besitzer der Modemarke Ben David. Nachdem er kurz vor 1.00 Uhr morgens aus der Toilette der Hotelbar kam, packte ihn ein unbekannter Mann und fragte ihn, ob er „auch so eine Schwuchtel sei wie mein Kollege“, wie sich der 31-Jährige erinnert. Haemmig bejahte – „weil ich offen zu meiner Homosexualität stehe“ – und hatte ohne Vorwarnung die Faust des Unbekannten im Gesicht.

„Mein Gesicht war voller Blut und ich musste sofort in die Klinik, wo ich mit vier Stichen genäht wurde und ein Verdacht auf Hirnerschütterung diagnostiziert wurde“, schildert der Modedesigner der Tageszeitung. Noch mehrere Tage nach dem Angriff hatte er Kopfschmerzen, auch die Narbe ist noch zu sehen.

Bis jetzt hatte der 31-Jährige noch nie Probleme wegen seiner sexuellen Orientierung

Was für den 31-Jährigen besonders schlimm war: Von den umherstehenden Gästen hat ihm keiner geholfen. „So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt“, ist Haemmig schockiert: „Ich habe sowohl St. Moritz wie auch Zürich immer als sehr offen und tolerant kennengelernt, bin auch öfters in Hetero-Clubs und hatte nie Probleme.“

Deshalb möchte er diesen Fall auch öffentlich machen. Denn Angriffe auf sexuelle Minderheiten sind in der Schweiz mittlerweile ein echtes Problem: Erst zu Silvester wurde ein schwules Paar vor einem Gay-Club in Zürich krankenhausreif geprügelt. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Drei Monate zuvor prügelten ebenfalls in der Innenstadt fünf Männer auf ein Männerpaar ein „weil ihr schwul seid“. Auch hier musste einer der beiden Männer stationär ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Ben Haemmig hat wegen des Vorfalls Anzeige gegen Unbekannt erstattet. In den Nobelhotel, zu dem die Bar gehört, betont man, dass ihnen der Vorfall „außerordentlich leid“ tue. Zwar seien Gäste ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung willkommen, heißt es aus der Direktion.  Dass der Angriff auf den 31-Jährigen einen schwulenfeindlichen Hintergrund hat, will das Hotel aber relativieren. „Aus einem für uns alltäglichen Problem, dem Kontrollverlust Einzelner unter Alkoholeinfluss, eine homophobe Tat abzuleiten, ist sehr gewagt“, heißt es gegenüber 20 Minuten.