Verurteilter Kardinal George Pell: Letzte Chance für Freispruch

Weil er zwei Chorknaben missbraucht haben soll, sitzt er sechs Jahre im Gefängnis

George Pell
YouTube

Vor gut einem Jahr ist in Australien Kardinal George Pell, der ehemalige Finanzchef des Vatikans, wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Nun kämpft er vor dem Obersten Gerichtshof des Landes für seine Unschuld – und seinen Ruf.

Die Richter sehen die Schuld des Kardinals als erwiesen an, er selbst weist alle Vorwürfe zurück

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 78-Jährige als Erzbischof von Melbourne in den Jahren 1996 und 1997 zwei damals 13 Jahre alte Chorknaben missbraucht habe. Sie verurteilten die ehemalige Nummer drei des Vatikans im März 2019 zu sechs Jahren Haft. Doch Pell kämpft sich durch alle Instanzen des australischen Rechtssystem, um doch noch einen Freispruch zu erreichen.

Der Anklage zufolge soll er die beiden Burschen erwischt haben, wie sie nach der Sonntagsmesse Wein tranken. Einen der beiden Teenager soll er dann zum Oralsex gezwungen haben, dem anderen fasste er in den Schritt. Einer der ehemaligen Chorknaben starb vor einigen Jahren an einer Drogen-Überdosis. Der andere ist heute Mitte 30 und war im Prozess der entscheidende Belastungszeuge. Er galt den Richtern als sehr glaubhaft.

Pell selbst weist alle Vorwürfe zurück, sein Anwalt Bret Walker behauptet, dass der erste Missbrauchfall, für den Pell verurteilt wurde, so, wie er vom einzigen Zeugen geschildert wurde, nicht möglich gewesen sei. Für den zweiten Fall, für den Pell verurteilt wurde, gebe es keine Zeugen, betont der Anwalt.

Der Berufungsprozess ist für zwei Tage angesetzt

Seit Mittwoch, dem 11. März, befasst sich nun der australische High Court in der Hauptstadt Canberra mit dem letzten möglichen Einspruch von George Pell. Die Berufungsverhandlung ist für zwei Tage angesetzt, der 78-Jährige war nicht persönlich anwesend. Er sitzt derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in Melbourne seine Haftstrafe ab. Im August hatte bereits das Berufungsgericht das Urteil der ersten Instanz bestätigt. Pell könnte demnach frühestens im Oktober 2022 aus der Haft entlassen werden.

Zum Prozessauftakt protestierten sowohl Anhänger als auch Gegner des Kardinals vor dem Gerichtsgebäude. Beide Seiten gerieten kurz aneinander, als ein Mann mit dem Schild „Verbrenn in der Hölle, Pell“ daran gehindert wurde, mit Reportern zu sprechen. Bestätigt auch das Höchstgericht das Urteil, ist Pell der höchstrangige Vertreter der römisch-katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs von einem Gericht verurteilt wurde.