HIV-Medikament wirkt doch nicht so gut gegen das Coronavirus

Nach erster Studie: Wirkstoffe sind doch kein Corona-Wundermittel

Coronavirus
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Hoffnungen, dass der aktuell vorkommende Coronavirus mit bereits vorhandenen HIV-Medikamenten schnell und effektiv bekämpft werden kann, haben sich zerschlagen: Das zeigt die erste klinische Studie an schwerkranken Covid-19-Patienten.

Nachdem eine Frau nach der Einnahme von HIV-Medikamenten gesund geworden ist, wollten es die Wissenschaftler genau wissen

Anfang Februar soll das Coronavirus bei einer Frau in Thailand eliminiert worden sein, nachdem sie eine Kombination aus HIV- und Grippemedikamenten eingenommen hatte. Dabei handelte es sich um das HIV-Medikament Kaletra, das die Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir, zwei Proteasehemmer, enthält. Diese können bei RNA-Viren verhindern, dass sich der Vermehrungsprozess in Gang setzt. 

Das wollten Wissenschaftler testen: Doch bei Covid-19 war der Effekt nicht so groß wie erhofft. „Bei hospitalisierten erwachsenen Patienten mit schwerer Covid-19-Erkrankung wurde mit Lopinavir/Ritonavir kein Vorteil im Vergleich zur Standardtherapie registriert“, schrieb das Autorenteam unter Leitung des chinesischen Pneumologen Bin Cao im Fachblatt New England Journal of Medicine.

Mit den HIV-Medikamenten waren die Patienten kürzer auf der Intensivstation

Getestet wurde das in Wuhan an einer Gruppe von 199 Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf. 99 von ihnen, die zufällig ausgewählt wurden, erhielten zusätzlich zur Standardtherapie die HIV-Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir. Bei ihnen entwickelte sich die Krankheit kaum anders. „Die Mortalität nach 28 Tagen war in der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe mit 19,2 Prozent versus 25 Prozent in der Gruppe mit Standardtherapie ähnlich“, so die Wissenschaftler.

Allerdings müsse man in diese Richtung weiterforschen, betonen die Wissenschaftler. Denn in die Studie wurden nur Kranke mit sehr schweren Covid-19-Verläufen aufgenommen, für die eine andere Medikamente bester wirken könnte. So zeigte sich bei einer genaueren Beobachtung, dass die zusätzlich mit den HIV-Wirkstoffen behandelten Patienten nur sechs Tage intensivmedizinische Behandlung benötigten, während diese Zeit bei der Standardtherapie elf Tage betrug. Auch ging es mehr von ihnen nach 14 Tagen besser.