Nach US-Druck: Chinesischer Besitzer verkauft Grindr an mysteriöses Konsortium

Kaufpreis für die Dating-App mit fast drei Millionen Usern pro Tag liegt bei mehr als 600 Millionen Dollar

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Die in der schwulen Community beliebte Dating-App Grindr hat neue Besitzer. Auf Druck der US-Regierung musste der bisherige Inhaber, ein chinesischer Spiele-Gigant, seine Anteile verkaufen. Das hat er nun getan – und auch hinter dem neuen Käufer dürften Chinesen stehen.

Mit einem chinesischen Besitzer hat Peking absolutes Durchgriffsrecht auf die Daten von Grindr

Der Spiele-Gigant Beijing Kunlun Tech hatte Grindr 2016 und 2018 in zwei Tranchen 2016 und 2018 für insgesamt rund 245 Millionen US-Dollar erworben, doch so ganz funktionierte das Match nicht. So haben US-Behörden allen Funktionsträgern empfohlen, die App nicht zu nutzen, weil die teils sensiblen Daten direkt zum chinesischen Geheimdienst abfließen könnten.

Denn nach chinesischem Recht haben die Behörden ein absolutes Zugriffsrecht auf die Daten chinesischer Firmen – zu denen durch die Übernahme auch Grindr gehörte. Schließlich hat das U.S. Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) schwere Bedenken über die Eigentümer der App angemeldet – und angeordnet, dass Kunlun die Dating-App bis zum Juni 2020 verkaufen muss.

Eine mysteriöse Firma kauft die Anteile für mehr als 600 Millionen US-Dollar

Das hat die Firma nun gemacht. Doch das Ergebnis der Verkaufsverhandlungen dürfte der US-Regierung nicht gefallen. Denn neuer Eigentümer von Grindr ist die San Vicente Acquisition LLC. Sie hat von Kulun 98,59 Prozent der Anteile übernommen. Das war der Investmentfirma angeblich mehr als 600 Millionen US-Dollar wert. 

Hinter dieser Firma steht „eine Gruppe von Unternehmern und Investoren aus der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsindustrie“, heißt es nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters. Welche Personen oder Firmen das genau sein sollen, ist unklar. Doch Reuters zufolge ist einer der Investoren der in den China geborene US-Bürger James Lu. Er war zuvor einer der Vorstände der chinesischen Suchmaschine Baidu, die ihren Erfolg auch ihrem Gehorsam gegenüber dem Regime in Peking zu verdanken hat.

Das könnte als Zeichen gewertet werden, wie wichtig der chinesischen Regierung Grindr ist – und die damit verbundenen Daten. Das CFIUS muss dem Verkauf noch zustimmen.

Auch eine Mailänder Firma wollte Grindr kaufen

Denn Interessenten für die Dating-App gab es mehrere: Zuletzt galt das Mailänder Start-Up Bending Spoons als Favorit. Die Firma hat etwa 80 Special-Interest-Apps in ihrem Programm und hätte 260 Millionen Euro für Grindr bezahlt. Zu den Eigentümern des Start-Ups gehört auch die Holdinggesellschaft H14 von Silvio Berlusconis Kindern Luigi, Barbara und Eleonora sowie der italo-asiatische Investmentfonds Nuo Capital.

Auch abseits der Eigentümerverhältnisse ist Grindr in der Kritik: Der österreichische Datenschützer Max Schrems deckte gemeinsam mit der zuständigen Norwegischen Behörde auf, dass Grindr teils sensble Daten über seine fast 27 Millionen User im Hintergrund an hunderte Werbenetzwerke weiterleitete. Eine Verurteilung durch die europäische Datenschutzbehörde wegen eines Verstoßes gegen die DSGVO könnte Grindr bis zu drei Prozent des weltweiten Umsatzes kosten.

Die in West Hollywood beheimatete Dating-App Grindr hat eigenen Angaben zufolge jeden Tag mehr als 4,6 Millionen aktive User und dürfte damit die weltweit größte Dating-App für die LGBTIQ-Community sein.