Wegen Corona: USA lockern Blutspende-Bestimmungen für schwule Männer

Statt zwölf Monaten Enthaltsamkeit reichen nun drei

Blutkonserven
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Aufgrund der Corona-Krise wird es schwulen Männern in den Vereinigten Staaten leichter gemacht, Blut zu spenden. So hat die zuständige Behörde FDA am 2. April neue Richtlinien veröffentlicht, denen zufolge Männer Blut spenden können, wenn sie in den letzten drei Monaten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben. In Österreich liegt diese Wartezeit bei zwölf Monaten.

Bis jetzt durften schwule und bisexuelle Männer ein Jahr keinen Sex haben, wenn sie Blut spenden wollten

Auch in den USA mussten schwule und bisexuelle Männer bis jetzt zwölf Monate enthaltsam leben, wenn sie Blut spenden wollten, vor 2015 gab es – wie auch in Österreich – ein Totalverbot. Mit den neuen Richtlinien will die FDA einem Engpass an Blutkonserven vorbeugen, der durch die Coronakrise drohe.

Die Änderung werde keine Auswirkung auf die Sicherheit der Blutversorgung haben, betont die FDA. Die neue Drei-Monats-Frist gilt auch für Frauen, die Sex mit einem Mann hatten, der seinerseits Sex mit einem Mann hatte. Auch nach dem Ende der Corona-Krise werde man die neue Regelung beibehalten.

Donald Trump bestreitet, von der Liberalisierung der Blutspende etwas gewusst zu haben

Gegenüber dem LGBTI-Medium Washington Blade hat Präsident Donald Trump betont, von dieser Liberalisierung nichts gewusst zu haben. „Das hat die FDA gemacht. Sehr fähige Leute bei der FDA.“ Trump und sein Team sind in den letzten Jahren immer wieder durch homophobe Aktionen aufgefallen.

Unter LGBT-Aktivisten sorgen diese Änderung für verhaltene Freude. Sie bezeichnen die Liberalisierung der Blutspende als weiteren Schritt zur völligen Gleichstellung. Für die LGBTI-Medien-Monitoring-Organisation GLAAD ist die neue Regelung ein „Triumph über Diskriminierung“, betonte aber, dass auch die neue Regelung diskriminierend sei. 

Auch die neue Regelung ist noch immer diskriminierend, heißt es aus der Community

Scott Wiener, offen schwuler Senator von Kalifornien, kritisiert die neue Regelung stark. Er findet es nach wie vor diskriminierend, dass Männer für einen einzigen gleichgeschlechtlichen Sexualkontakt von der Blutspende ausgeschlossen werden können, während promiskure Heterosexuelle diese Einschränkung nicht haben.

„Die verpflichtende Enthaltsamkeit ignoriert noch immer die Tatsache, dass moderne HIV-Testmethoden so genau und wirksam sind, dass sie jede HIV-Infektion erkennen, die zehn bis vierzehn Tage vor der Spende oder früher stattgefunden hat“, betont er gegenüber dem Bay Area Reporter: „Warum in aller Welt besteht die FDA auf der Drei-Monats-Frist?“

Auch andere LGBT-Aktivisten fordern, dass die Kriterien für eine Blutspende – wie bereits in einigen europäischen Ländern – nicht auf ganzen Gruppen, sondern auf persönlichem Risikoverhalten beruhen sollten. Nach Angaben des Amerikanischen Roten Kreuzes kann eine Blutspende bis zu drei Leben retten.