Blutplasma von Covid-19-Geheilten ist heiß begehrt – außer, sie sind schwul

Kein Heilmittel aus schwulem Plasma, weil noch immer diskriminiert werden muss

Blutkonserven
Fotolia

Das Blutplasma von Menschen, die von ihrer Covid-19-Infektion geheilt sind, ist derzeit heiß begehrt – die Forschung kann daraus ein Gegenmittel entwickeln. Doch es gibt eine Ausnahme: Wenn derjenige, der mit seinem Blutplasma helfen will, schwul ist. Das berichtet der ORF Wien.

Der Mann, der seine Infektion überstanden hat, wollte helfen – und wurde abgewiesen

Der in Wien ansässige Pharmakonzern Takeda möchte aus den Antikörpern genesener Covid-19-Patienten ein Gegenmittel herstellen. Der Mann, der anonym bleiben möchte, hatte seine Covid-19-Infektion schon hinter sich. 

Nun wollte er helfen und letzte Woche sein Blutplasma spenden. Doch im Plasmazentrum erwartete ihn eine unangenehme Überraschung: Er erfuhr, dass schwule Männer kein Blutplasma spenden dürfen – analog zu den Beschränkungen für die Blutspende.

„Ich wurde gebeten zu warten, weil es vielleicht nicht doch eine Möglichkeit gibt zu spenden, weil für Covid-Patienten natürlich ein hoher Bedarf besteht, und nach einigen Minuten ist die Ärztin zurückgekommen und hat gesagt, dass es ihr sehr leid tut, aber dass es leider nicht geht und diese Richtlinien nach wie vor gelten“, erinnert er sich gegenüber dem ORF Wien.

Die Blutspendeverordnung verlangt zwölf Monate Enthaltsamkeit – doch es geht auch anders

Konkret geht es um die Blutspendeverordnung. Diese erlaubt schwulen oder bisexuellen Männern unabhängig von ihrem Risikoverhalten nur dann eine Spende, wenn sie zwölf Monate lang keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten. In einer Stellungnahme gegenüber dem ORF Wien bedauert Takeda, hilfsbereite Menschen abweisen zu müssen.

Für den Betroffenen und seinen Ehemann ist das diskriminierend, „zumal das in anderen Ländern sehr wohl möglich ist, dass ausschließlich auf das Sexualverhalten abgestellt wird und nicht auf den Umstand, ob man ein schwuler Mann ist“. 

In Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien bestimmt bereits das individuelle Verhalten der Spender deren Eignung und nicht deren sexuelle Orientierung. Frankreich ist von der Zwölf-Monats-Regel abgekommen, es sind dort nur mehr vier Monate Wartezeit, ab 2022 könnten homo- und heterosexuelle Blutspender vollkommen gleich behandelt werden.

In den USA wurde die Blutspende wegen der Corona-Krise liberalisiert

Auch Dänemark hatte seine liberalen Bestimmungen – vier Monate Wartezeit für schwule und bisexuelle Männer – letztes Jahr noch einmal liberalisiert. „Wenn man in einer monogamen Beziehung lebt, soll die Blutbank sagen können, dass die viermonatige Quarantäne nicht notwendig ist. Denn dann liegt kein riskantes sexuelles Verhalten vor“, so Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby.

Und in den USA wurde es im Rahmen der Corona-Krise schwulen und bisexuellen Männern leichter gemacht zu spenden. So hat die zuständige Behörde FDA am 2. April neue Richtlinien veröffentlicht, denen zufolge Männer Blut spenden können, wenn sie in den letzten drei Monaten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben.

LGBTI-Vertreter fordern ein Ende der Diskriminierung – bis jetzt ohne Erfolg

Eine ähnliche rasche Vereinfachung – wie sie auch in diesem Fall Menschenleben retten könnte – ist in Österreich nicht angedacht. Diese fordern unter anderem SPÖ, Grüne und Neos. „Eine zwölfmonatige Enthaltsamkeit für eine einzige Blutspende entspricht nicht der Lebensrealität“, erklärt beispielsweise Yannick Shetty, LGBTQ-Sprecher der Neos.

Und auch Ewa Ernst-Dziedzic, stellvertretende Bundessprecherin und in der Partei für LGBTQ-Themen zuständig, hat vor einigen Monaten im Nationalrat angekündigt, dass das Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer fallen werde.Vielleicht wäre jetzt die beste Zeit, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen.