Brasiliens Präsident Bolsonaro: „WHO will Kinder homosexuell machen“

Angriff auf die WHO, weil er deren Richtlinien zur Corona-Bekämpfung ignoriert

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro/Facebook

Mit homophoben Aussagen scheint der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro von seinem Versagen in der Corona-Krise ablenken zu wollen. Während kaum ein südamerikanisches Land von dem Virus bis jetzt stärker getroffen wurde, will der rechtsextreme Politiker mit einem Frontalangriff auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von seinem eigenen Versagen ablenken..

Die WHO empfehle vier- bis sechsjährigen „gleichgeschlechtliche Beziehungen“, behauptet Bolsonaro

So behauptet der 65-Jährige in einem Facebook-Beitrag, der später gelöscht wurde, die WHO empfehle Kindern von vier bis sechs Jahren „Masturbation in früher Kindheit“ sowie „gleichgeschlechtliche Beziehungen“. Neun- bis Zwölfjährigen rate die WHO zu einer „ersten sexuellen Erfahrung“, so Bolsonaro.

„Das ist die Weltgesundheitsorganisation, deren Empfehlungen zum Coronavirus ich aus Sicht einiger Leute folgen soll“, spielt der Präsident den Empörten. Seit Wochen ignoriert er bereits die WHO-Empfehlungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Kein Beweis für seine Behauptungen – aber ein ähnlicher Tweet seines Beraters

Einen Beweis für seine Angriffe auf die WHO blieb Bolsonaro schuldig. Allerdings hatte sein Berater Arthur Weintraub zuvor getwittert, dass die WHO empfehle, dass „Kinder zwischen null und vier Jahren über ‚Masturbation‘, ‚Befriedigung und Lust‘, ‚das Berühren des eigenen Körpers‘ und ‚die Gender-Ideologie‘ unterrichtet“ werden sollten.

Doch das stimmt nicht: Weintraub erfindet Behauptungen auf Basis des Rahmenkonzeptes „Standards für die Sexualaufklärung in Europa“, das 2010 vom europäischen WHO-Regionalbüro und der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veröffentlicht wurde. In den letzten Jahren wurde das Konzept immer wieder von rechten Kreisen zur Stimmungsmache gegen altersgerechte Sexualaufklärung verwendet wurde.

Bolsonaro will von seinem eigenen Versagen in der Corona-Krise ablenken

Eigentlich soll das Rahmenkonzept Experten, Politikern sowie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen nur Empfehlungen für die Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen geben. In den Standards wird unter anderem darauf hingewiesen, dass sexuelle Neugier bei Kindern normal sei. Die von Bolsonaro und Weintraub behaupteten Empfehlungen finden sich dort allerdings erwartungsgemäß nicht.

Stattdessen dürfte es bei den Angriffen Bolsonaros gegen die WHO um ein Ablenkungsmanöver handeln – schließlich steigt die Zahl der Corona-Toten in dem südamerikanischen Land, während der rechtsradikale Politiker die Gefahr herunterspielt und Empfehlungen der WHO, zum Beispiel zu Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing, ignoriert.