22-Jähriger schlägt seinem Date eine Weinflasche auf den Kopf: Prozess

Erste gleichgeschlechtliche Erfahrung endet vor dem Richter

Landesgericht für Strafsachen Wien
Sebastian Baryli/Flickr - CC BY 2.0

In Wien musste sich am Dienstag ein 22-Jähriger am Landesgericht verantworten. Während eines Sex-Dates hat er einem zehn Jahre älteren Mann eine Weinflasche gegen den Kopf geschlagen und ihn gewürgt. Das mittlerweile rechtskräftige Urteil der Richterin fiel milde aus.

„Ich habe solche Erfahrungen bis zu diesem Zeitpunkt nicht gehabt“, sagt der Angeklagte

Der junge Serbe ging am 8. Jänner 2019 gegen 1.30 Uhr zu einem zehn Jahre älteren Iraner, um mit ihm einvernehmlichen Sex zu haben. Der 32-Jährige, der seit 2016 in Österreich ist, lebte im Einzelzimmer eines Hotels, das damals als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden war.

Kennengelernt haben sich die beiden Männer über eine Dating-App. „Ich habe solche Erfahrungen bis zu diesem Zeitpunkt nicht gehabt. Ich wollte schauen. Probieren wie das ist. Ich war neugierig“, zitiert der Kurier den Angeklagten. In Serbien habe er eine Freundin, die ein Kind von ihm erwarte. Zunächst redeten die beiden Männer, als das Thema auf sexuelle Erfahrungen kam, begann der 22-Jährige, sich nicht mehr wohlzufühlen.

Sex oder kein Sex? Angeklagter und Opfer widersprechen sich

Über das, was dann passiert ist, gibt es verschiedene Versionen: Der Angeklagte sagte, dass er keinen Sex mit dem späteren Opfer wollte und sich der Mann ihm aufdrängte. Zu sexuellen Handlungen sei es nicht gekommen. Dem widerspricht das Opfer: Er behauptet, sie hätten Sex gehabt, bevor der Angeklagte „ohne Anlass“ auf ihn losgegangen sei.

Fest steht: Irgendwann hat der 22-Jährige hat eine Weinflasche genommen und sie dem zehn Jahre älteren Mann auf den Kopf geschlagen. Als der Iraner laut aufschrie, soll ihn der Angeklagte gewürgt haben – was dieser bestreitet: Er habe ihm nur den Mund zugehalten, damit er sich beruhige.

Seit Dezember sitzt der 22-Jährige in Untersuchungshaft

Der 32-Jährige konnte sich schließlich befreien, indem er den Serben in den Intimbereich zwickte. Das Opfer rannte aus dem Zimmer, sein Date flüchtete über den Balkon. Über DNA-Spuren, die er am Tatort zurückgelassen hatte, konnte der 22-Jährige im Dezember 2019 schließlich in Ungarn ausfindig gemacht und nach Wien ausgeliefert werden. Hier sitzt er seit 22. Dezember in Untersuchungshaft.

Der Iraner musste wegen seiner Verletzungen mehr als eine Woche am AKH stationär behandelt werden.  Durch den Schlag mit der Weinflasche erlitt der 32-Jährige eine Schädelprellung und eine drei Zentimeter lange Rissquetschwunde. Weder die Schädelwunden noch die Würgemale wären lebensgefährlich gewesen, so ein Gutachter vor Gericht.

Die Anklage wegen versuchten Mordes war nicht haltbar

„Ich bekenne mich schuldig, dass ich ihn verletzt habe“, so der junge Mann vor Gericht. Er bestreitet aber, dass er den Mann umbringen wollte. Als Motiv sieht die Staatsanwältin, dass der junge Serbe zu Hause „ein Leben als heterosexueller Mann geführt“ habe – aber nach dem Sex mit dem 32-Jährigen mit dem Erlebten „nicht umgehen“ konnte und „wohl den einzigen Zeugen des Geschehens aus dem Weg räumen wollte“.

Der Prozess war ursprünglich für März anberaumt, verschob sich aber aufgrund der Coronakrise. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Serben zunächst versuchten Mord zur Last gelegt. Diese Anklage wurde von den Geschworenen aber einstimmig verworfen. Der Mann wurde schließlich wegen Körperverletzung schuldig gesprochen. Die Richterin verurteilte ihn zu einer Geldstrafe in der Höhe von 960 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig.