Little Richard im Alter von 87 Jahren gestorben

Der Pionier des Rock'n'Roll prägte die Musikbranche - auch durch sein ausschweifendes Leben

Little Richard
Anna Bleker/Wikimedia

Der Rock’n’Roll-Pionier Little Richard ist tot. Der Musiker, der Generationen von Künstlern mit seinem Stil prägte, starb im Alter von 87 Jahren. Das berichtete das Musikmagazin Rolling Stone am Samstag unter Berufung auf seinen Sohn. Er war zeitlebens ein Getriebener – das zeigt auch sein Umgang mit seiner eigenen Bisexualität im Spannungsfeld zwischen Rockstar und Priester.

Little Richard prägte die Musikgeschichte – und inspirierte zahlreiche Größen von Elvis bis Bruno Mars

Mit dem Lied „Tutti Frutti“ stürmte Little Richard 1955 die Charts – und er läutete mit dem Lied auch „eine neue Ära“ ein, wie die US-Nationalbibliothek später schreiben sollte. In den nächsten zwei Jahren prägte er das Genre nachhaltig. Es folgten Songs wie „Long Tall Sally“, „Good Golly, Miss Molly“ und „Lucille“, die von anderen Musikern wie Elvis Presley gecovert und weiterentwickelt wurden – der Rock’n’Roll war geboren.

Nicht nur Presley, auch die Beatles, Tina Turner, Prince, Mick Jagger, Rod Stewart, David Bowie, Elton John, Bob Dylan, Freddie Mercury oder Bruno Mars gaben Little Richard als ihr musikalisches Idol an.

Ein Mann der Extreme: Heute extrovertiert mit Make-up, morgen ein evangelikaler Prediger

Dazu gehörten auch die für die damalige Zeit außerordentlich extroviertierten Auftritte, sein schrilles Bühnen-Outfit, die auftoupierten Haare, das grelle Make-up und die schlüpfrigen Texte, mit denen Little Richard das Publikum der 1950er Jahre gleichermaßen schockierte wie unterhielt und damit Standards setzte.

Schon zwei Jahre nach seinem Durchbruch hängte Little Richard seine Karriere an den Nagel: Er entschied sich 1957 während einer Tournee, Priester zu werden. Er predigte einige Jahre in verschiedenen Kirchen der Erweckungsbewegung, bevor er Mitte der 1960er Jahre ein Comeback versuchte. Doch der Geschmack des Publikums hatte sich verändert – an seine alten Erfolge konnte Little Richard nie mehr anknüpfen.

Es folgten gesundheitliche Probleme, die auch durch übermäßigen Kokain-Konsum ausgelöst wurden. Little Richard wandte sich deshalb in den 1970er Jahren wieder dem Glauben zu und sang vor allem Gospel. Ab 1985 arbeitete er als Schauspieler, unter anderem in „Zoff in Beverly Hills“, „Full House“ und „Miami Vice“.

Schon als Kind fiel er durch seinen Hang zum Drama auf

Geboren wurde Little Richard, dessen bürgerlicher Name Ricardo Wayne Penniman war, als Drittes von zwölf Kindern am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia, im Süden der USA. Bereits in der Schule und im Gospelchor, in dem er schon als Kind sang, fiel er mit seinem Hang zum Drama auf.

Dass er schon in den 1950er Jahren bisexuell lebte, sorgte für Konflikte mit seinem Vater, einem Schmuggler, der erschossen wurde, als Little Richard 19 Jahre alt war. In Interviews erzählte er, dass ihn sein Vater mit 15 aus dem Haus geworfen hatte, weil er sich zu feminin verhalten hatte. „Ich liebe schwule Menschen. Ich habe praktisch ‚schwul‘ gegründet“, sagte Little Richard 1987 in einem Gespräch mit dem schwulen Regisseur John Waters.

Sein Verhältnis zur eigenen Sexualität zeigt, wie zerrissen Little Richard war

Doch sein Verhältnis zu seiner sexuellen Orientierung zeigte auch, wie zerrissen Little Richard zeit seines Lebens war: Während seiner Karriere schlief er mit Männern, heiratete aber seine Sekretärin, als er sich von der weltlichen Musik abwandte. Einmal bezeichnete er Homosexualität als Krankheit, dann bezeichnete er sich selbst wieder als „omnisexuell“. Einmal lebte er das enthaltsame Leben eines Geistlichen, dann feierte er tagelange Orgien – teilweise zusammen mit seiner Langzeitfreundin Lee Angel und mit Musiker Buddy Holly.

In den letzten Jahren hat Little Richard zurückgezogen im US-Bundesstaat Tennessee gelebt. Nach Aussagen seines Sohnes starb er an einer Krebserkrankung. Sein Gesundheitszustand war bereits nach einer Hüftoperation angeschlagen.