Schweiz öffnet Ehe für schwule und lesbische Paare

Lesbische Ehepaare können künftig mit Hilfe der Samenspende Mütter werden

Symbolbild: Schwules Ehepaar
Symbolbild - Fotolia

In der Schweiz bekommen schwule und lesbische Paare aller Wahrscheinlichkeit nach ein Ehe-Upgrade erster Klasse: Der Nationalrat hat am Donnerstag mit großer Mehrheit die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen – inklusive der Möglichkeit für lesbische Paare, per Samenspende Eltern zu werden.

Große Mehrheit für das Ehe-Upgrade erster Klasse

Insgesamt 124 Abgeordnete stimmten für die Ehe-Öffnung, 72 dagegen – die Gegenstimmen kamen vor allem von der rechtspopulistischen SVP sowie von einzelnen Mandataren. 13 Abgeordnete enthielten sich ihrer Stimme. Das Komitee „Ehe für alle“, das mehrere LGBTI-Organisationen vertritt, zeigte sich erfreut: „Es ist wichtig, dass Kinder von Regenbogenfamilien von Anfang an rechtlich gut abgesichert sind. Der Nationalrat hat sich für die einzig gerechte und konsequente Lösung entschieden, die alle Paare wirklich gleich stellt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Für Diskussionen im Vorfeld sorgte vor allem die Möglichkeit, lesbischen Paaren die Zeugung von Kindern per Samenspende zu ermöglichen und dann beide Frauen automatisch als Mütter anzuerkennen. Der Rechtsausschuss und die Regierung hatten zuvor empfohlen, diesen Punkt von der Abstimmung auszunehmen, um eine breite Mehrheit für die Ehe-Öffnung zu garantieren. Diese „Kernvorlage“ wurde zuvor sogar von 152 Abgeordneten unterstützt, nur 39 stimmten dagegen. 

Wahrscheinlich hat das Schweizer Volk das letzte Wort

Der Kampf um die Öffnung der Ehe in der Schweiz war lange: Den ursprünglichen Entwurf dazu brachten die Grünliberalen bereits im Dezember 2013 ein. Doch ganz durch ist die Ehe-Öffnung bei unseren westlichen Nachbarn deshalb noch nicht: Nun muss der Beschluss des Nationalrats durch den Ständerat, die Vertretung der Schweizer Kantone.

Die nationalkonservative Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU), die nur einen einzigen Abgeordneten im Parlament hat, hat außerdem bereits eine Volksabstimmung zu dem Thema angekündigt. Zunächst muss sie 50.000 Unterstützungserklärungen zusammenbringen – dann würde wohl nächstes Jahr darüber abgestimmt. Hier zeigen aktuelle Umfragen aber, dass das Schweizer Stimmvolk die nun beschlossene Ehe-Öffnung mit großer Mehrheit befürwortet.

Die letzte Debatte über die Ehe-Öffnung wurde abgebrochen

Eigentlich hätte schon letzte Woche im Schweizer Nationalrat über die Öffnung der Ehe debattiert werden sollen – doch dann wurde die Debatte vertagt, weil über Budgetgesetze als Folge der Coronakrise diskutiert werden musste.

Bis jetzt konnten schwule und lesbische Paare in der Schweiz nur eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Diese vor 13 Jahren eingeführt und hatte etwa bei der Einbürgerung oder der Adoption nicht die gleichen Rechte wie die Zivilehe. Sobald die Öffnung der Ehe in Kraft tritt, können bei den Eidgenossen keine neuen Eingetragenen Partnerschaften geschlossen werden, bereits geschlossene Partnerschaften bleiben bestehen.