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Ägyptische LGBTI-Aktivistin Sarah Hijazi ist tot

Sie musste ins Gefängnis, weil sie eine Regenbogenfahne geschwenkt hat

Hamed Sinno/Facebook

Die ägyptische LGBTI-Aktivistin Sarah Hijazi ist tot. Sie hat sich Medienberichten zufolge im kanadischen Exil letzte Woche das Leben genommen. Hijazi war 2017 verhaftet worden, weil sie bei einem Konzert der libanesischen Band Mashrou’ Leila eine Regenbogenfahne geschwenkt hatte.  

Wegen „Förderung von Homosexualität und sexueller Abweichung“ musste sie ins Gefängnis

Sie wurde daraufhin als einzige Frau wegen “Förderung von Homosexualität und sexueller Abweichung” festgenommen und inhaftiert. Gegenüber der Deutschen Welle schilderte Hegazi, wie brutal sie verhaftet wurde – unter Einsatz eines Elektroschockers. Insgesamt haben die ägyptischen Behörden nach dem Konzert mindestens 75 Personen festgenommen, berichtet eine ägyptische Menschenrechtsgruppe. 

Vor Gericht hatte sie der Staatsanwalt, der sich sonst mit militanten Islamisten beschäftigte, beschuldigt, einer verbotenen Gruppe anzugehören, die “abweichendes Denken” propagiere. Sie bestritt die Vorwürfe und bezeichnete das Schwenken der Regenbogenflagge als Solidaritätsbekundung – mit Hamed Sinno, dem offen schwulen Sänger der Band und mit allen, die unterdrückt werden. 

Sie sei stolz gewesen, die Flagge zu halten und hätte nicht erwartet, dass der ägypische Staat mit solcher Härte reagiert, sagte sie in einem Interview mit dem US-Sender National Public Radio (NPR). Auch erinnerte sie sich, dass die Polizei ihre Zellengenossen dazu angestachelt hätte, sie zu misshandeln.  

Seit 2018 lebte die Aktivistin in Kanada – doch die Erfahrungen der Haft konnte sie nicht vergessen

Seit sie im Jänner 2018 aus dem Gefängnis in Ägypten entlassen wurde, lebte die 30-Jährige in Kanada – weit weg von ihrer Heimat, ihrer Familie und ihrer Freunde. Doch die Narben auf der Seele blieben. Sie litt an schweren posttraumatischen Belastungsstörungen. “Das Gefängnis tötete mich. Es hat mich zerstört”, sagte sie einmal. 

In Sozialen Medien wurde anlässlich ihres Todes eine handschriftliche Nachricht verbreitet, die Hijazi geschrieben haben soll. “An meine Geschwister, ich habe versucht zu überleben, aber ich habe es nicht geschafft. Verzeiht mir”, ist dort zu lesen: “An meine Freunde, der Weg war grausam und ich bin zu schwach, um Widerstand zu leisten. An die Welt, du warst schrecklich grausam, aber ich vergebe dir.” 

Homosexualität ist in Ägypten zwar gesetzlich nicht verboten, aber ein großes gesellschaftliches Tabu. So wurden beispielsweise wiederholt Männer, denen schwule Kontakte nachgesagt wurden, unter anderem wegen “Verachtung der Religion” verurteilt. Die Regierung hat die Existenz sexueller Minderheiten bis heute nicht offiziell anerkannt. 


Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Die Psychiatrische Soforthilfe bietet unter 01/313 30 rund um die Uhr Rat und Unterstützung im Krisenfall. Die österreichweite Telefonseelsorge ist ebenfalls jederzeit unter 142 gratis zu erreichen.

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