Vienna Pride dieses Jahr virtuell – mit Conchita und Bundespräsident Van der Bellen

Gruppe auf der Regenbogenparade 2017
Sujetbild - premiumPIX

Die Pride-Session ist in Corona-Zeiten anders als sonst: Große Paraden sind nicht möglich, und so entdecken Aktivistinnen und Aktivisten auf der ganzen Welt andere Formen, sich und ihre Anliegen zu präsentieren – in Wien sogar mit hochrangiger Unterstützung. 

Van der Bellen und Conchita vertreten Wien bei der „Global Pride“, der großen virtuellen Parade

So wird am 27. Juli der erste Regenbogen-Corso stattfinden, bei dem statt Menschen Autos andersrum um den Ring fahren, um die Sichtbarkeit der Community zu zeigen. Zeitgleich findet der Global Pride statt – ein groß angelegtes Online-Streaming-Event mit Beiträgen von über 500 Prides weltweit. 

Dabei ist auch die Vienna Pride mit zwei Beiträgen prominent vertreten: Einerseits mit einer Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, und andererseits mit einem Auftritt von Conchita Wurst, die schon das Gesicht der letztjährigen EuroPride war. Zu sehen sind die Bilder aus Österreich zwischen 20.00 und 21.00 Uhr. 

LGBT-freie Zonen in Polen, Trans-Diskriminierung in Ungarn: Darum ist auch dieses Jahr Sichtbarkeit wichtig

“Hunderte Prides mussten weltweit abgesagt werden, die sonst so präsente Sichtbarkeit wurde reduziert, in Polen bestehen bis heute die sogenannten ‚LGBT-freie Zonen‘, während dort Reiseverbote bestanden, in Ungarn wurden transgender Personen ihre Rechte aberkannt und in manchen Ländern wird Schwulen die Schuld an Corona in die Schuhe geschoben”, erklärt Vienna-Pride-Organisatorin Katharina Kacerovsky, warum Sichtbarkeit auch in Corona-Zeiten wichtig ist. 

Bereits von 17.00 bis 18.30 Uhr veranstaltet die HOSI Wien einen Regenbogen-Corso. “Um auch auf unerwartete Corona-Entwicklungen vorbereitet zu sein und die Gesundheit aller Teilnehmer*innen sichern zu können, haben wir uns diesmal für eine Demo mit Autos und Motorrädern entschieden”, erklärt Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien. Insgesamt fünf Mal werden die Fahrzeuge andersrum die Ringstraße passieren, auf der sonst hunderttausende Teilnehmer der Regenbogenparade entlangmarschieren. 

Regenbogen-Corso als Highlight des etwas anderen Pride-Monats

Die Wiener Community nimmt dieses Ersatzangebot dankbar an: “Mit über 100 angemeldeten Gruppen und rund 200 Fahrzeugen wird die Community auch in Zeiten von Corona ein starkes Zeichen der Sichtbarkeit setzen”, so Otte. Gerade in Zeichen der Unsicherheit sei der Zusammenhalt umso wichtiger, ergänzt Moritz Yvon, Obmann der HOSI Wien: “Man darf die Nachwirkungen der Quarantäne nicht unterschätzen, vor allem die psychischen Belastungen für jene LGBTIQ-Personen, die in Familien leben, in denen sie Intoleranz, Anfeindungen oder sogar Gewalt ausgesetzt sind. Deswegen war es uns ein Bedürfnis, diesmal eben in anderer Form für Buntheit zu sorgen” 

Und wie die Regenbogenparade hat auch der Regenbogen-Corso konkrete politische Forderungen. So fordert die HOSI Wien das von der ÖVP strikt abgelehnte “Levelling Up”, also den vollen Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Außerdem setzen sich die Aktivistinnen und Aktivisten für ein Verbot an medizinisch nicht notwendigen Operationen an intergeschlechtlichen Kindern ein und fordern ein eigenes queeres Jugendzentrum in Wien.