Start Szene Wien Zärtlich aufeinander liegende Hände werden zum Wiener „Homo-Mahnmal“

Zärtlich aufeinander liegende Hände werden zum Wiener „Homo-Mahnmal“

So poetisch erinnert die Bundeshauptstadt an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus

Denkmal für die Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden
Marc Quinn

Nach einem jahrelangen Tauziehen hat die Stadt Wien heute, Mittwoch, den Siegerentwurf für jenes Denkmal vorgestellt, dass im Resselpark an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnern soll. 

Das Denkmal soll „größte Brutalität im Augenblick liebevoller Berührung“ symbolisieren

Eine 16-köpfige Jury unter dem Vorsitz von Hannes Sulzenbacher vom LGBTI-Geschichtszentrum QWIEN hat sich für den Entwurf des britischen Künstlers Marc Quinn entschieden. Dieser zeigt zwei Paare zärtlich aufeinander liegender Hände – einerseits von zwei Männern, andererseits von zwei Frauen. Diese Händepaare scheinen an den Handgelenken wie abgehackt und vermitteln dadurch größte Brutalität im Augenblick liebevoller Berührung.  

Durch die verspiegelten Schnittflächen der Handgelenke und der Tischplatte werden die Betrachterin oder der Betrachter Teil des Kunstwerks und müssen sich so mit gleichgeschlechtlicher Liebe und ihrer Verfolgung auseinandersetzen. Diese klare Ikonographie überzeugte die Jury, Quinns Skulptur zum Siegerentwurf des Wettbewerbs ‘Denkmal für die Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden’ zu wählen“, so Sulzenbacher. 

Der erste Anlauf für ein solches Mahnmal scheiterte

Damit endet eine jahrelange Geschichte: Im Jahr 2006 gab es schon einmal einen Wettbewerb für ein solches Merkmal, damals sollte es am Morzinplatz stehen, wo während des Nationalsozialismus das Gestapo-Hauptquartier mit seinen Kerkern war. Gewonnen hatte diesen Wettbewerb der niederösterreichische Künstler Hans Kupelwieser.  

Sein Entwurf, ein 20 mal 20 Meter großes Becken mit pinkem Wasser und dem Schriftzug „Que(e)r“, erwies sich allerdings als technisch nicht umsetzbar. In den Jahren 2010 bis 2015 hat die Initiative „Kunst im Öffentlichen Raum“ (KÖR) deshalb jährliche temporäre Mahnmale installiert, die nicht immer leicht zu vermitteln waren. 

Vor einem Jahr wurde den Plänen neues Leben eingehaucht 

Im Juni 2019 haben die SPÖ-Stadträte Kaup-Hasler und Czernohorszky das Thema wieder aufgegriffen. „Mit dem Resselpark wurde ein zentraler lebendiger Ort mitten in der Stadt für das künftige Denkmal der Opfer der Homosexuellen-Verfolgung im Nationalsozialismus gefunden“, so die Kulturstadträtin bei der Präsentation der Pläne

Ausgelobt wurde der Wettbewerb von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) und der Kunst im öffentlichen Raum Wien GmbH (KÖR). Das Projekt wird von der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich unterstützt, als Gesamtbudget stehen für den Wettbewerb und die Realisierung des Siegerentwurfs 300.000 Euro zur Verfügung. 

Community und Politik sind mit dem künftigen Denkmal zufrieden

Mit dem Ergebnis sind sowohl Politik als auch Community zufrieden. “Wir freuen uns sehr, dass endlich ein würdiges und vor allem permanentes Mahnmal errichtet wird, das an die schwulen, lesbischen und bisexuellen Opfer der NS-Terrorherrschaft erinnert”, so Markus Steup, der die HOSI Wien im Fachbeirat für das Mahnmal vertreten hatte. 

“Wir schaffen mit dem Denkmal Sichtbarkeit für eine Opfergruppe, die viel zu lange unsichtbar war. Es ermöglicht ein würdevolles Erinnern und mahnt uns davor, das dunkelste Kapitel unserer Geschichte nicht mehr zu wiederholen“, betont Antidiskriminierungs-Stadtrat Jürgen Czernohorszky von der SPÖ. 

“Nach vielen Jahren temporärer Projekte schafft nun das permanente Denkmal die historisch notwendige Sichtbarkeit und Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte“, so Peter Kraus von den Grünen Andersrum Wien: „Gedenken und Erinnern heißt immer auch Mahnen für unsere gemeinsame Gegenwart und Zukunft. Diesen Anspruch greift auch die Skulptur von Marc Quinn auf und setzt damit ein starkes Zeichen gegen Gewalt, Hass und Homophobie.“