„Verfluchte Perversionen normalisieren“: Erdoğan greift LGBTI-Community an

Flagge der Türkei
EngiAkyurt/Pixabay - CC 00

Dass nationalkonservative Wähler sich von homophoben Parolen überzeugen lassen, zeigt gerade der Präsidentschaftswahlkampf in Polen. Doch auch in der Türkei versucht Präsident Recep Tayyip Erdoğan gerade mit markigen Sprüchen gegen sexuelle Minderheiten sein eigenes Versagen in der Corona- und Wirtschaftskrise zu kaschieren.

Mit Homophobie greift er nicht nur die Community, sondern auch die Opposition an

“Während wir unserem Land mit großem Mitgefühl und einer Vision dienen, attackiert jemand heimtückisch unsere nationalen und religiösen Werte”, erklärte Erdogan nach einer Kabinettsitzung. Diese versuchten, “junge Menschen zu vergiften, indem sie versuchen, durch die gesamte Menschenheitsgeschichte verfluchte Perversionen zu normalisieren”, so der 66-Jährige weiter.

Damit meint er die LGBTI-Community – und greift auch gleichzeitig die Opposition an. So hat etwa Sezgin Tanrıkulu, Abgeordneter der sozialdemokratischen CHP, am Tag zuvor anlässlich der Pride-Saison einen Tweet mit Regenbogenfahnen veröffentlicht. Politiker, die solch “marginale” Bewegungen unterstützten, seien “Ketzer”, die die Kultur beschädigen würden und könnten keine politischen Partner sein, so Erdoğan in seiner Rede.

Ablenkung vom Versagen in der Coronakrise und der Wirtschaftspolitik

Mit seiner homophoben Rhetorik versuchen der türkische Präsident und seine Entourage, die wegen der Corona- und Wirtschaftskrise aufgeheizte Stimmung in dem Mittelmeerstaat zu kanalisieren und für sich zu nutzen. Zuletzt hatte Ali Erbaş, Leiter der staatlichen Religionsbehörde Diyanet, im April gesagt, der Islam verurteile Homosexualität, da sie zu Krankheiten wie Aids führe.

Türkische LGBTI-Gruppen, Menschenrechts-Aktivisten und Politiker der sozialdemokratischen CHP sowie der prokurdisch-linken HDP warfen dem Leiter der staatlichen Religionsbehörde daraufhin Volksverhetzung vor- doch Erdoğan hielt Erbaş demonstrativ die Stange. Der türkische Präsident betonte, was der Leiter der Religionsbehörde gesagt habe, sei „absolut richtig“.

Die Bevölkerung weiß Erdoğan dabei hinter sich. Eine Umfrage des Pew Research Centers, die Ende Juni veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass sich nur 25 Prozent der Bevölkerung die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität wünschten – und das, obwohl sie in der Türkei schon seit 1858 legal ist.