Wegen LGBT-freier Zone: Stadt in den Niederlanden kündigt Partnerschaft

Gruppe auf der Regenbogenparade 2017
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Eine klare Haltung gegen die „LGBT-freien Zonen“ in Teilen Polens hat die niederländische Stadt Nieuwegein in der Nähe von Utrecht: Nachdem sich die Partnerstadt Pulawy zur „LGBT-ideologiefreien Zone“ erklärt hat, hat die niederländische Stadt den Polen am Dienstagabend die Städtefreundschaft gekündigt.

Die polnische Partnerstadt habe eine Grenze überschritten, ist man sich in den Niederlanden einig

Mit der Erklärung hätte Pulawy eine Grenze überschritten, so der Gemeinderat von Nieuwegein Die freundschaftlichen Beziehungen würden mit sofortiger Wirkung beendet. Zuvor hatten die Niederländer ihren polnischen Städtepartnern noch einen Brief geschrieben, in dem sie um ein Gespräch gebeten hatten – doch darauf hat Pulawy nicht reagiert.

„LGBTQ-freie Zonen wie in Pulawy sind, was uns angeht, inakzeptabel“, erklärte die zuständige Stadträtin Marieke Schouten: „Wir sind beide Teil eines Europas, von dem wir glauben, dass jeder unabhängig von seiner sexuellen Orientierung sein kann, wer auch immer er sein will. Es gibt keine ‚LGBT-freien Zonen‘“.

Nieuwegein sieht sich selbst als „Regenbogenstadt“

Die 60.000-Einwohner-Stadt Nieuwegein bezeichnet sich selbst als „Regenbogen-Stadt“. Dem entsprechend überklebte Schouten auch den Namen der ehemaligen Partnerstadt an der Ortseinfahrt publikumswirksam mit einem Regenbogen-Aufkleber.

Die Lage für sexuelle Minderheiten in Polen hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Im Land tätige Aktivisten sprechen sogar vor einer „beispiellosen Hetzjagd“ durch nationalkonservative Politiker. Eine LGBTI-Aktivistin wurde erst diese Woche ohne nähere Informationen von zwei Zivilpolizisten in ein Auto ohne Kennzeichen gezerrt, um dann vor der Staatsanwaltschaft auszusagen. 

LGBT-Aktivisten in Polen fürchten sich von einer „beispiellosen Hetzjagd“

Zuletzt hatte Präsident Andrzej Duda bei der Kampagne für seine Wiederwahl bei seinen Anhängern mit homophoben Sprüchen gepunktet. So hat er sexuelle Minderheiten als „Ideologie“ bezeichnet, die gefährlicher sei als der Kommunismus. Auch hat er sich gegen LGBT-Themen im Schulunterricht und für ein Adoptionsverbot durch gleichgeschlechtliche Paare in der polnischen Verfassung ausgesprochen.

Damit kann er vor allem bei konservativen Wählern außerhalb der großen Städte zu punkten: Einer aktuellen Umfrage zufolge fühlen sich 82 Prozent der PiS-Wähler von der “LGBT-Ideologie” bedroht – bei Anhängern aller anderen Parteien lag dieser Wert deutlich unter 50 Prozent.