Intersex-Aktivisten fordern neuen Erlass zum Dritten Geschlechtseintrag

Trotz ersten Erfolgen ist es noch ein weiter Weg bis zur vollständigen Anerkennung

Geburtsurkunde
Rechtskomitee Lambda

Nach einem fast vier Jahre dauernden Kampf hält der Intersex-Aktivist Alex Jürgen seit Kurzem eine Geburtsurkunde in der Hand, deren Geschlechtseintrag „inter“ lautet. Doch anderen intersexuellen Menschen bleibt diese Möglichkeit noch verwehrt, kritisieren nun Intersex-Aktivistinnen und -Aktivisten.

„Es ist ein voller Sieg für mich persönlich“ – doch der diskriminierende Erlass ist weiter in Kraft

„Es ist ein voller Sieg für mich persönlich“, sagt Alex Jürgen, der seit Juli endlich eine Geburtsurkunde in Händen hält, die seiner tatsächlichen geschlechtlichen Identität entspricht. Doch jener Erlass des ehemaligen Innenministers Herbert Kickl von der FPÖ, dem zufolge Standesämter nur „divers“ als dritten Geschlechtseintrag zulassen dürfen, ist nach wie vor in Kraft – obwohl vier Gerichtsurteile das Gegenteil bestätigen.

So hofft Tinou Ponzer vom Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ), dass das Innenministerium bald einen neuen Erlass veröffentlicht – „wobei medizinische Begutachtungen unbedingt gestrichen werden müssen! Ein alternativer Geschlechtseintrag zu weiblich und männlich, der die individuelle Geschlechtsidentität einer Person anerkennt, ist nicht an körperlichen Merkmalen festzumachen!“, betont Ponzer.

Medienberichten zufolge soll das Innenministerium bereits an einem neuen Erlass arbeiten. Dieser steht auch im Koalitionsabkommen zwischen der ÖVP und den Grünen.

Mehr Anerkennung für Geschlechtervielfalt und ein Verbot der Operationen an intersexuellen Kindern

Doch die Geschlechtervielfalt nur auf amtlichen Dokumenten sollte nur der Anfang sein, meint Mart Enzendorfer von der Plattform Intersex Österreich: „Es ist nun an der Zeit, dass nicht nur auf rechtlicher, sondern auch auf anderen Ebenen die Anerkennung von Geschlechtervielfalt erfolgt. Dafür braucht es eine umfassende Inklusion im Bildungssystem.“

Auch ein Verbot nicht notwendiger medizinischer Eingriffe an intersexuellen Kindern müsse rasch beschlossen werden, ist sich die Intersex-Community einig. Diese verändern die Geschlechtsmerkmale der Minderjährigen unwiderruflich und ohne deren Zustimmung.