Immer mehr Angriffe auf Lesben in Berlin

Innerhalb von drei Jahren wurden sechzig Prozent mehr Fälle angezeigt

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

In Berlin steigt die Zahl der Übergriffe auf Lesben, bisexuelle und Trans-Frauen. Das geht aus einer Anfragebeantwortung der Berliner Senatsverwaltung hervor, wie der Tagesspiegel berichtet. Dabei dürfte die Dunkelziffer – wie auch bei Übergriffen auf andere sexuelle Minderheiten – noch viel höher sein.

Mindestens 43 Fälle wurden seit 2017 registriert

Seit dem 1. Jänner 2017 gab es mindestens 43 registrierte „Fälle der Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung/Identität mit weiblichen Opfern“, so die Senatsverwaltung auf eine Anfrage von Carsten Schatz, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses für die Linksfraktion.

Dieses Jahr wurden von der Polizei trotz Corona-Lockdowns bereits sechs Hassverbrechen gegen Lesben, bisexuelle und Trans-Frauen gezählt. Im Jahr 2017 waren es zehn Fälle, ein Jahr später elf und letztes Jahr 16 Übergriffe. „Die Delikte verteilen sich über nahezu die gesamte Stadt, besonders betroffen sind Mitte und Neukölln“, so Schatz zum Tagesspiegel.

Die Dunkelziffer dürfte noch viel höher liegen

Doch Schilderungen aus der lesbischen Community würden nahelegen, dass die Dunkelziffer höher liege, fügt Schatz hinzu. Das geht auch aus den Zahlen des Berliner Anti-Gewalt-Projekts Maneo hervor, die in der Regel höher sind als jene der Polizei – teils, wegen der Zählweise und teils, weil die Übergriffe letztendlch nicht angezeigt werden.

Maneo zählte im Jahr 2019 insgesamt 559 Fälle mit homo- und transfeindlichem Hintergrund, um 177 mehr als im Jahr zuvor. Davon richteten sich 47 Fälle gegen Lesben und bisexuelle Frauen, weitere 83 Fälle betrafen Trans-Personen.

Die Polizei möchte mehr Lesben dazu animieren, Vorfälle anzuzeigen

Damit es weniger Übergriffe gibt, aber mehr von ihnen angezeigt werden, arbeitet die Berliner Polizei mit der lesbischen Community zusammen. So werden die Opfer lesbenfeindlicher Angriffe unter anderem von der Beratungsstelle L-Support darin bestärkt, ihre Fälle den LGBTI-Ansprechpersonen bei der Berliner Polizei zu melden und anzuzeigen.

Anlassbezogen gebe es auch Kontakte zu anderen Anlaufstellen, die Ansprechpersonen der Polizei würden auch planen, Treffpunkte für lesbische Frauen „verstärkt aufzusuchen, um dort noch intensiver für eine Anzeigenerstattung nach lesbenfeindlichen Vorfällen zu werben und gewaltpräventive Beratungen anzubieten“.

Doch das Verhältnis zwischen der lesbischen Community und der Berliner Polizei ist getrübt, weiß Schatz. „Wenn es bei mehreren Vorfällen überhaupt schwierig war eine Anzeige zu erstatten oder die Vorfälle von den herbeigerufenen Beamten abgewiegelt werden, trägt das weder zur Ermutigung von Sichtbarkeit noch zur Unterstützung von Frauen* bei, die Opfer von Gewalt geworden sind“, so der Linken-Abgeordnete.