Gut 2.500 Menschen radelten am Samstag beim Hamburg Pride

Ein deutliches Zeichen der Sichtbarkeit in ungewöhnlichen Zeiten

Politiker beim Hamburg Pride 2020
Peter Tschentscher/Twitter

Rund 2.500 Menschen haben am Samstag unter strengen Hygiene-Auflagen bei der ersten Fahrrad-Demonstration im Rahmen der Hamburg Pride teilgenommen. Die Demo, die unter anderem über die Reeperbahn und durch das Schanzenviertel führte, war der Ersatz für die klassische CSD-Parade, die dieses Jahr wegen der Coronakrise nicht stattfinden konnte.

Die Spitzenpolitik der Stadt radelte mit und zeigte so Solidarität

Im ersten Block des Zuges fuhr die Hamburger Spitzenpolitik mit: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD und die Zweite Bürgermeisterin und Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank von den Grünen führten die Demonstration an, die um 12.00 Uhr an der Außenalster begann und auf der acht Kilometer langen Strecke bis zum Dammtorbahnhof führte. Dort wurde sie – aus Sicherheitsgründen ohne Schlußkundgebung – aufgelöst.

Um die Sicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Zeiten der Coronakrise zu garantieren, gab es zahlreiche Auflagen: So mussten die Teilnehmenden zeitversetzt in kleinen Blöcken zu hundert Fahrrädern starten, sie mussten den Mindestanstalt einhalten und Mund-Nasen-Schutz tragen. Personen mit Atemwegserkrankungen oder Corona-Symptomen sei die Teilnahme verboten.

Alle Auflagen wurden eingehalten, es gab keine Zwischenfälle

Diese Auflagen wurden von den Demonstrierenden eingehalten, es gab keine Zwischenfälle. „Alles lief absolut ruhig“, bestätigte auch ein Sprecher der Hamburger Polizei. Es gab keine Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt. „Alle waren sehr diszipliniert“, war auch Stefan Mielchen, Erster Vorsitzender von Hamburg Pride e.V., nach der Fahrraddemonstration erleichtert. 

„Uns waren zwei Dinge wichtig: Die Versammlungsfreiheit und damit die Sichtbarkeit der queeren Community zu gewährleisten und gleichzeitig dem Infektionsschutz Rechnung zu tragen. Beides ist uns heute gelungen, auch dank der Kooperation mit den zuständigen Behörden“, erklärte er. Er sei froh, dass die Hamburgerinnen und Hamburger auch in diesen schwierigen Zeiten Flagge zeigen konnten – denn die Diskriminierung sexueller Minderheiten habe mit Corona nicht aufgehört. 

Auch durch Corona hat die Diskriminierung sexueller Minderheiten nicht aufgehört

„Im Gegenteil: Während wir nach wie vor eine lange Agenda politischer Forderungen haben, spitzt sich beispielsweise in unserem Nachbarland Polen die Situation für LGBTI immer weiter zu“, so Mielchen: „Wenn der Staatspräsident eines EU-Landes Homosexuellen das Menschsein abspricht, so wie es Andrzej Duda zuletzt getan hat, ist es unsere Pflicht, uns solidarisch an die Seite der polnischen Community zu stellen.“

Im Vorfeld der Fahraddemonstration hatten die Veranstalter erhöhten Diskussionsbedarf mit den Hamburger Behörden: Die Polizei wollte die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ursprünglich auf 1.000 beschränken, letztendlich einigte man sich auf eine maximale Teilnehmerzahl von 3.000, die auch fast erreicht wurde.

Zu den politischen Botschaften der Hamburg Pride zählten unter anderem, dass der Diskriminierungsschutz in Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes auch auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität erweitert würden. Außerdem müsse das Transsexuellen-Gesetz abgeschafft und durch ein Selbstbestimmungsrecht für trans Menschen ersetzt werden. Auch das Familienrecht müsse reformiert werden, um lesbischen Eltern Rechtssicherheit zu bieten.