Polnischer TV-Korrespondent nennt schwule NS-Opfer „außergewöhnliche Degenerierte“

Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft den Fall

Rosa Winkel
Rosa Winkel - Archiv

Weil er die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus diffamiert hat, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Cezary Gmyz, Deutschland-Korrespondent des staatlichen polnischen Fernsehsenders TVP, wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

Auf einen Tweet, dass die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 bis zu 15.000 Homosexuelle nach Auschwitz geschickt hätten, antwortete der Journalist: „Viele Homosexuelle in den Konzentrationslagern waren außergewöhnliche Degenerierte und Vergewaltiger.“ Außerdem wies er auf das Buch „Selbstportrait mit einer Narbe“ von Roman Frister hin, der dort beschreibe „wie er Opfer einer analen Vergewaltigung wurde“.

Für die Grüne Queerpolitikerin Ulle Schauws relativiert Gmyz mit seinen Aussagen die Verbrechen des Nationalsozialismus

Für Ulle Schauws, Sprecherin für Queerpolitik in der Grünen Bundestagsfraktion, ist diese Täter-Opfer-Umkehr unerträglich. „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich heute aufgrund eines volkshetzerischen und die Naziverbrechen relativierenden Tweets eine Strafanzeige gegen Herrn Cezary Gmyz, den Korrespondenten des öffentlichen polnischen Fernsehens TVP in Deutschland gestellt habe“, teilte Schauws in einer kurzen Nachricht mit. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft detzeit den Fall. 

Schauws appellierte auch an den Verein der Ausländischen Presse in Deutschland (VAP), Gmyz wegen seines Tweets aus dem Verein auszuschließen. „Es gibt Grenzen des Sagbaren“, so die Grünen-Politikerin. Mittlerweile hat dich die VAP auch von dem TVP-Korrespondenten „auf das Schärfste von jeglicher Art der Homophobie und Diskriminierung von Mitgliedern der LGBTQ-Community, auch im historischen Kontext“, distanziert. Weitere Maßnahmen behalte man sich ausdrücklich vor.

Gmyz ist seit 2016 Deutschland-Korrespondent für den staatlichen Fernsehsender TVP, der in Polen wegen seiner Nähe zur regierenden nationalkonservativen PiS auch „TVPiS“ genannt wird. Und er liefert im Sinne der Machthaber: Eine Analyse der Wochenzeitung Die Zeit im Jahr 2017 stellte fest, dass die Bericherstattung von Gmyz regelmäßig die Tatsachen verdreht.