Druck vom Regime: Team der Shanghai Pride gibt auf

Großer Druck auf das Organisationsteam der größten Pride Chinas

Shanghai Pride
Shanghai Pride

Die Shanghai Pride gilt als größte LGBTI-Veranstaltung in China. Seit 2009 hat das bunte Veranstaltungsprogramm nicht nur in der Community viele Freunde gefunden. Doch damit ist nun Schluss – und das liegt in diesem Fall nicht am Coronavirus.

Der Abschiedsbrief hat den Titel „Das Ende des Regenbogens“

In einem offenen Brief unter dem Titel „Das Ende des Regenbogens“ gaben die Veranstalterinnen und Veranstalter „mit Bedauern“ bekannt, dass es in nächster Zeit keine Shanghai Pride oder ähnliche Veranstaltungen mehr gebe werde. Man wolle sich eine Pause gönnen – mehr Details gab es in dem Brief nicht.

上海骄傲节终止所有活动 The End of the Rainbow…

Gepostet von Shanghaipride 上海骄傲节 am Donnerstag, 13. August 2020

Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN dürften die örtlichen Behörden hinter dem Aus für die Shanghai Pride stecken. Eine Person, die „über die Situation Bescheid“ wisse, sagte dem Sender, dass die Behörden großen Druck auf die Organisatorinnen und Organisatoren ausgeübt hätten. So hätten sie wegen ihres Engagements große Probleme im Alltag und im Beruf bekommen.

Gegenüber CNN wollte niemand Stellung zu den Vorgängen hinter dem Ende der Pride nehmen

Gegenüber CNN wollten weder die Organisatorinnen und Organisatoren noch chinesische LGBTI-Aktivisten oder die Behörden Stellung nehmen. In einem Schreiben an die Partner und Sponsoren der Shanghai Pride schreibt das Team allerdings, die Absage sei „eine schwere Entscheidung“ gewesen – „doch wir müssen die Sicherheit aller involvierten Personen gewährleisten“.

„Es waren tolle zwölf Jahre und wir fühlen uns geehrt uns sind stolz, diesen Weg gegangen zu sein, um die Sichtbarkeit und Vielfalt der LGBTI-Community zu fördern“, so das Organisationsteam in diesem Brief weiter.

Zwölf Jahre lang bot die Shanghai Pride ein umfassendes Kunst- und Kulturprogramm

Die Shanghai Pride war nie eine klassische Parade – ein solcher Umzug wäre dem chinesischen Regime zu politisch, stattdessen gab es ein umfassendes Kunst- und Kulturprogramm. So gab es zuletzt im Juni einen Monat lang Ausstellungen, Filmabende, Diskussionen oder Tanzabende. 

Die Veranstaltungen fanden dabei meistens hinter verschlossenen Türen in Bars, Restaurants oder ausländischen Konsulaten statt. Beim „Bike Pride“ radelten sechs Teams durch die zweitgrößte Stadt Chinas – jedes trug T-Shirts in einer anderen Farbe des Regenbogens.

Das chinesische Regime zieht die Zügel für die LGBTI-Community enger

Zwar ist Homosexualität in China legal, aber gesellschaftlich stark tabuisiert. Für die kommunistische Regierung Chinas sind „nicht-traditionelle“ sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten schlicht „abnormal“. So dürfen etwa seit 2016 keine gleichgeschlechtlichen Beziehungen mehr im Fernsehen gezeigt werden, ein Jahr später wurde das Verbot auch auf das Internet ausgeweitet. 

Große Teile der chinesischen Bevölkerung sehen Homosexualität als geistige Störung, die therapiert werden könne. Gerade junge LGBTI-Personen müssen deshalb, oft auf Druck ihrer Familie, fragwürdige „Konversionstherapien“ über sich ergehen lassen.