Deutschland will Blutspende für schwule Männer erleichtern

Ab November soll die Wartezeit erheblich verkürzt werden

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Schwule und bisexuelle Männer sollen in Deutschland schon bald einfacher Blut spenden können. Wie das ZDF berichtet, plant die Bundesregierung, die derzeit bestehende Regelung deutlich zu lockern.

Derzeit gilt in Deutschland: Schwule Blutspender müssen ein Jahr lang enthaltsam sein

Wie in Österreich gilt auch in Deutschland: Vor einer Blutspende dürfen schwule und bisexuelle Männer ein Jahr lang keinen Sex mit dem eigenen Geschlecht gehabt haben – unabhängig davon, ob sie beispielsweise in einer monogamen Beziehung leben oder nur Safer Sex praktizieren. In der Praxis kommt das einem Blutspendeverbot gleich.

Offiziell begründet wird diese lange Rückstellfrist mit einem generell erhöhten Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV. Doch diese können heute schon sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher nachgewiesen werden. Andere Länder wie Ungarn, Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien behandeln schwule und bisexuelle Männer deshalb bei der Blutspende gleich wie Heterosexuelle.

Ab November sollen vier Monate Enthaltsamkeit reichen

Doch nun plant die deutsche Bundesregierung, diese Rückstellfrist deutlich zu verkürzen. „Für Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben, wird die vorgesehene Rückstellfrist einer Neubewertung unterzogen“, so das Gesundheitsministerium auf eine Frage des FDP-Abgeordneten Jens Brandenburg. Künftig sollen schwule Männer statt zwölf Monaten nur mehr vier Monate vor der Blutspende auf Sex verzichten müssen.

Die neue Regelung soll nach ZDF-Informationen Anfang November erfolgen. Das Einlenken des Ministeriums kommt einigermaßen überraschend. Noch im Mai hatte die Große Koalition gemeinsam mit der rechtspolulistischen AfD einen Änderungsantrag des Transfusionsgesetzes abgelehnt, mit dem die Grünen eine solche Änderung durchsetzen wollten.

Ein erster Erfolg für viele Initiativen

„Nicht die sexuelle Identität, sondern tatsächliches Risikoverhalten soll den Ausschlag geben“, freut sich auch Brandenburg, der LGBTI-Sprecher seiner Partei ist, im Gespräch mit dem ZDF über die Überlegungen des deutschen Gesundheitsministeriums. Eine entsprechende Petition haben bereits mehr als 50.000 Menschen unterschrieben. Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) hat die Zwölf-Monats-Frist als „Unverschämtheit“ bezeichnet.

Weiters hat die Stiftung „PrOut at Work“ ein Positionspapier veröffentlicht, in dem ebenfalls ein Ende der Diskriminierung sexueller Minderheiten beim Zugang zur Blutspende gefordert wird. Zu den Firmen, die das Papier unterschrieben haben, gehören unter anderem der Autozulieferer Continental, die Deutsche Bahn, IKEA, Microsoft, der Versandhändler Otto, der Industriekonzern ThyssenKrupp oder das Softwareunternehmen SAP.

Auch die Blutspende für Personen mit diversem Geschlechtseintrag soll geregelt werden

Das Ministerium plant außerdem erstmals eine Regelung zur Blutspende für Personen mit diversem Geschlechtseintrag, um für sie „künftig Unsicherheiten über die Möglichkeit der Blutspende zu vermeiden“, wie es in der Anfragebeantwortung heißt. Bis jetzt werden in den Richtlinien nur Männer und Frauen erwähnt.

Bevor diese Änderungen in Kraft treten können, will sie die Bundesregierung unter anderem auch noch mit dem Robert Koch-Institut diskutieren. Einer der Gründe für das Einlenken der Politik könnte auch die verschärfte Situation der Blutspende durch die Corona-Krise sein. In manchen Regionen Deutschlands reicht der Vorrat an Blutspenden manchmal nicht einmal 24 Stunden.