Bekommt auch die Steiermark schon bald ein Homo-Mahnmal?

Das Land Steiermark möchte die Verfolgung Homosexueller nun wissenschaftlich aufarbeiten

Uhrturm Graz
Bernd Thaller/Flickr - CC BY-NC 2.0

Wichtige Schritte zur Aufarbeitung der Verfolgung Homosexueller setzt das Land Steiermark. Ein entsprechender Antrag der Neos im Steirischen Landtag wird von der Landesregierung unterstützt, berichtet das Magazin Der Grazer.

Die Neos im Landtag fordern eine Aufarbeitung – und der ÖVP-Landesrat steht dem Anliegen positiv gegenüber

So haben die Neos im Juni im Landtag beantragt, die Verfolgung und Kriminalisierung Homosexueller von 1918 bis 1971 aufzuarbeiten und ein Mahnmal in Gedenken an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus zu errichten.

Nun liegt die offizielle Antragsbeantwortung von Kulturlandesrat Christoph Drexler vor. Dort schreibt der ÖVP-Politiker, dass die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen und das würdige Gedenken an die NS-Opfer „wesentliche Anliegen der steirischen Kulturpolitik“ seien – und das schließe auch sexuelle Minderheiten ein.

Nun sollen Historiker dieses Kapitel der Geschichte aufarbeiten und Empfehlungen abgeben

Die Landesregierung unterstütze daher „Vorschläge, die das Wissen um die Schicksale der Verfolgten erweitern und zu einer breiten Auseinandersetzung einladen“, so Drexler. Deshalb sollen nun Historiker in zwei Stellungnahmen herausarbeiten, welche offenen Fragen es in der Erforschung der Diskriminierung Homosexueller gibt. Außerdem sollen sie Empfehlung für Projekte geben, mit denen dieses Kapitel der steirischen Geschichte aufgearbeitet werden kann.

Bei der Errichtung eines eigenen Mahnmals ist der Kulturlandesrat noch vorsichtiger. „Die Errichtung eines baulichen Denk- und Mahnmals hat möglicherweise ihren Platz, bedarf aber sowohl wissenschaftlicher als auch diskursiver und künstlerischer Vorarbeiten und Auseinandersetzungen“, gibt sich Drexler vorsichtiger. Ansprechpartner dafür könnten das Universalmuseum Joanneum oder die Initiative „Kunst im Öffentlichen Raum“ (KÖR) Steiermark sein.

RosaLila PantherInnen: „Wir freuen uns über eine Gedenkstätte“

Für die RosaLila PantherInnen (RLP), die größte steirische LGBTI-Organisation, ist die Antwort des Kulturlandesrates ein wichtiges Signal. „Die meisten homosexuellen NS-Opfer wurden von ihren Familien verstoßen und verleugnet. So sehen wir uns als Community auch als Familie der Opfer dieser Zeit und freuen uns über eine Gedenkstätte für unsere Schwestern und Brüder“, so RLP-Obmann Joe Niedermayer im Grazer.

„Unsere Geschichte aufzuarbeiten, ist hier der erste wichtige Schritt und ein kräftiges Symbol für eine offene und vielfältige Steiermark“, ist auch Niko Swatek, Klubobmann der Neos im steirischen Landtag, mit der Anfragebeantwortung zufrieden. Für ihn sei die Steiermark vielfältig und ein Ort, an dem sich alle Menschen zu Hause fühlten – unabhängig ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung.