Berliner Polizei löst queere Party auf – Gäste als „Freaks“ beschimpft?

Veranstalter betonen: Alles an der Party war legal

Auflösung Pornceptual
Polizei Berlin

Zu Diskussionen über das Party-Leben in Zeiten der Corona-Epidemie sorgt die Auflösung der queeren Party „Porn bei Pornceptual“ in der Nacht zum Sonntag durch die Berliner Polizei. Doch auch das Verhalten der Behörden selbst wird kritisiert – wurde mit zweierlei Maß gemessen, weil es sich um eine queere Veranstaltung handelte?

Die Veranstaltung war angemeldet und hatte ein Hygienekonzept, betonen die Veranstalter

Die Veranstaltung war bei den Behörden angemeldet und sollte – den Berliner Vorschriften für eine allgemeine Sperrstunde ab 23.00 Uhr folgend – von 14.00 bis 22.00 Uhr dauern. Doch schon um 21.30 machte die Exekutive Medienberichten zufolge dem bunten Treiben ein Ende. Die Gäste wurden von den rund 40 eingesetzten Beamtinnen und Beamten nach Hause geschickt.

Etwa 600 Gäste feierten in der Alten Münze. „Es waren einfach zu viele für zu wenig Platz“, so ein Sprecher der Berliner Polizei zur Deutschen Presseagentur (dpa). Deshalb wurde die Veranstaltung mit Amtshilfe der Bundespolizei aufgelöst. Wegen der Vielzahl der Teilnehmer habe der Mindestabstand nicht eingehalten werden können. Auf die Veranstalterinnen und Veranstalter wartet nun ein Verfahren wegen eines Verstoßes gegen die Infektionsschutzverordnung.

Kritik: „Skandalisierende Darstellung“ als Fetisch-Party

Die Alte Münze als Veranstaltungsort sieht das anders. Sie kritisiert nicht nur den Polizeieinsatz, sondern auch die „skandalisierende“ Darstellung der Veranstaltung als „Fetisch-Party“ durch die Medien. Die Feier habe zum „körperlichen Charakter einer Fetischparty keine Parallelen“ gezeigt, betont die Alte Münze. So wird bei „Pornceptual“-Parties kunstvoll inszenierte Pornografie als Kunstmittel eingesetzt. Wer will, kann nackt tanzen, doch mit einer klassischen Fetisch-Party haben die Veranstaltungen wenig zu tun.

Die Veranstaltung habe als „Treffpunkt der Community“ ein klares Hygienekonzept gehabt, alle aktuellen Richtlinien seien eingehalten worden, so die Alte Münze weiter. Die Veranstaltung habe im Innenhof, also einer 3.500 Quadratmeter großen Freifläche stattgefunden. Es herrschte Maskenpflicht, auf der Tanzfläche durfte nicht getrunken oder geraucht werden, die Kontaktdaten wurden bereits beim verpflichtenden Vorverkauf erfasst, und Sitzgruppen bestanden maximal aus fünf Personen.

Wurde „mit Halbwahrheiten“ das Erlaubte kriminalisiert?

Es sei „bedauerlich, dass eine Veranstaltung fernab der heteronormativen Gesellschaft genutzt wurde, um gezielt mit Halbwahrheiten das Erlaubte öffentlich zu kriminalisieren“, so die Stellungnahme. Man verschließe sich auch nicht Diskussionen, ob solche Veranstaltungen in Corona-Zeiten prinzipiell zulässig sein sollten – diese Party sei aber legal und auf absehbare Zeit die letzte ihrer Art gewesen.

Die Veranstaltenden der „Pornceptual“-Reihe haben mittlerweile schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben: „Unsere Gäste wurden als Freaks und Gesetzlose behandelt und von der Polizei gedemütigt. (…) Während viele andere legale Open-Airs in Berlin [in jener Nacht] geschlossen wurden, schafft es nur die ‚Fetischparty‘ in die Medien und erweckt den Eindruck, Teil der Fetischszene zu sein, sei beschämend. Wir stehen gegen diesen Ansatz und werden nicht aufhören, gegen diese Art von moralischer Beurteilung zu kämpfen“, wird in einer Aussendung kritisiert.

Veranstalter: Beamte nannten Event „ekelhaft und pervers“

Für die „Pornceptual“-Macher war die Razzia bei der Party ein „Angriff auf die Kultur“: „Wir waren Gastgeber einer legalen Open-Air-Veranstaltung mit strengen Regeln, hatten es aber immer noch mit einer extrem konservativen Institution zu tun, die keine Ahnung hatte, was sicherere Räume bedeuten, und die uns als ‚ekelhaft und pervers‘ empfindet, wie ein Mitglied ihres Teams sagte“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Veranstaltungs-Konzept sei ein Ausdruck des Kampfes „für sexuelle Freiheit und die Infragestellung gesellschaftlicher Normen“.

Gegenüber dem Mannschaft Magazin betont die Berliner Polizei, dass die Kommunikation der Behörde stets „auf Respekt, Freundlich- und Höflichkeit“ basiere. „Sowohl die Statements des im Einsatz befindlichen Pressesprechers als auch die Twitter-Beiträge sind hierfür Beleg.“ Zu etwaigen sprachlichen Fehltritten einzelner Beamter während der Amtshandlung äußerte sich die Polizei nicht.

Dass zu Corona-Zeiten überhaupt Veranstaltungen wie diese stattfinden, sorgt aber auch in der Berliner Szene für Diskussionen. „Ihr seid eine Schande für unser Business“, schimpfte etwa die umstrittene Drag Queen Nina Queer, die selbst Partyveranstalterin ist, auf Facebook: „Das ist Egoismus total! Unter so einen Scheiss leidet das Image unserer ganzen Branche“, ärgerte sie sich: „Ich hoffe ihr bekommt ne Strafe über 25.000 Euro ihr Idioten!“